Am nächsten Tage wurde auch der vom Pferde geschlagene dicke Reserve-Gefreite aus dem Lazaret entlassen. Seine Verletzungen schienen zwar geheilt, doch war das ganze Gesicht durch die zurückgebliebenen Narben schrecklich entstellt und das linke Auge durch eine Operation entfernt worden, da man infolge der Verletzung desselben fürchtete, das andere Auge könnte in Mitleidenschaft gezogen werden.
So kehrte denn der Unglückliche als Halbinvalide mit einer monatlichen Pension von neun Mark in die Heimat zurück.
Der ehemalige Sergeant Schmitz saß am Sylvesterabend in seiner dürftigen Stube.
Er hatte sich, um der äußersten Not vorzubeugen, als Arbeiter einer großen Fabrik der Nachbarstadt verdingt und konnte so wenigstens seinen Lebensunterhalt verdienen. Er bewohnte ein mäßiges Zimmer im zweiten Stock eines Arbeiterhauses und wurde von der darin hausenden Familie gegen geringes Entgeld mit verpflegt.
Jetzt saß er am Tisch, den Kopf in beide Hände gestützt. Vor ihm stand ein Teller mit den Resten des kärglichen Abendbrotes, und eine kleine Lampe mit zerbrochenem Schirm warf einen matten, rötlichen Schein auf die am Tisch sitzende Gestalt und die ärmliche Einrichtung des kleinen Raumes. An der Wand stand ein eisernes Bett mit rot und weiß kariertem Bezug, und darüber waren Klinge und Scheide des Säbels übers Kreuz befestigt.
Auf einem kleinen Holzschemel stand eine Waschschüssel, daneben lag ein graues Handtuch. Das Feuer in dem kleinen Ofen war längst erloschen, nur einzelne klimmende Köhlchen lebten noch darin.
Wer den Mann da sitzen sah, konnte glauben, einen Schlafenden vor sich zu haben, aber Schmitz wachte, und in seinem Kopf jagten wilde Gedanken durcheinander. Er dachte an vergangene Zeiten, und je schroffer ihm seine jetzige Lebenslage von früheren Zeiten abzustechen schien, um so grimmiger wurde sein Haß gegen den, welcher ihn in seine jetzige Lage gebracht; er sann auf Rache, wie er jenen elenden Schurken strafen und brandmarken könne für seine gewissenlose, gemeine Handlungsweise.
Eine Weile noch saß er brütend da, dann erhob er sich mit finsterem Gesicht und trat an's Fenster, hauchte ein kleines Loch in die dicken Eisblumen und schaute hindurch nach der erleuchteten Uhr des Kirchturmes, aus dem jetzt das melodische Läuten der Glocken in die kalte Nacht hinaus drang, das Herannahen des neuen Jahres kündend.