Die bittere Kälte des Tages war um Mitternacht einer lauen Winterluft gewichen, ein sanfter Wind trieb seine Schneeflöckchen vor sich her und ließ die dürren Blätter der Buchenhecke rascheln. Unten, wo der schmale Weg in die Straße einbog, sah man mitunter eine Gestalt wie einen Schemen schwankenden Schrittes in dem Dunkelgrau der Nacht auftauchen und lautlos auf der weichen Schneedecke wieder verschwinden — Zecher, die nach reichlichem Trunk der Ruhe des Bettes bedurften. —
Schmitz fühlte keine Spur von Kälte, denn bei jedem neuen Schlag der fernen Turmuhr trieb ihm das Blut schneller durch die Adern, immer näher rückte der Augenblick, auf den er sich schon so lange gefreut.
Endlich, es hatte eben zwei Uhr geschlagen, nahte eine dunkle Gestalt.
Der Wartende drückte sich an die Hecke und faßte den Stock fester, das Herz klopfte ihm zum Zerspringen.
Schon war Roth auf wenige Meter herangekommen, das Gesicht fast ganz in dem hochgeschlagenen Mantelkragen versteckt, aber Schmitz erkannte den Wachtmeister genau, wie er, einen Gassenhauer vor sich hinpfeifend, mit schleppendem Säbel schwankenden Ganges daher kam.
Als der Wachtmeister nur noch einige Schritte hatte, um neben Schmitz zu sein, trat dieser, den Stock auf der Schulter, breitbeinig vor seinen Gegner hin.
Roth stutzte einen Augenblick wie ein scheues Wild, dann sah er sein Gegenüber scharf an. Er erkannte ihn nicht.
»Was wollen Sie?« brachte er mit trockener Kehle hervor.
»Mit dir abrechnen will ich«, war die kurze Antwort, die dem Vizewachtmeister das Blut erstarren machte.