Unter dem Dach grünender Bäume waren buntbemalte, mit Plakaten aller Art bedeckte Schaubuden aufgeschlagen, in denen es köstliche Leckerbissen und allerlei Getränke, vom einfachsten Selterwasser bis zum echten Französischen, zu kaufen geben sollte, in einer anderen sollten einige als wilde Tiere frisierte Soldaten in Freiheit vorgeführt werden, ein drittes Zelt war als Bühne hergerichtet, auf welcher man durch Spezialitätenvorstellungen die Lachmuskeln der Festbesucher in Bewegung halten wollte. Zwei mit Bänken besetzte Rasenplätze luden zu den Genüssen einer Musikbande und echten Pilseners ein, während im Nebenzimmer ein Standesamt errichtet war, wo man sich unter Verabfolgung eines Glases Sekt für zehn Pfennig trauen und nach einer Stunde wieder scheiden lassen konnte.
Der große Speisesaal stellte den Hauptfestplatz dar. Auf einer mit Zweigen umkränzten Kanzel war Platz für ein Musikkorps, und die Trompeter des Regiments schweiften täglich in der ganzen Gegend umher, um irgendwo ein recht zerlumptes Musikantenkostüm aufzutreiben.
Sogar eine Photographierbude fehlte nicht, an deren Außenwand die verlockendsten Porträts und Gruppenbilder zu sehen waren.
Natürlich bildete die bevorstehende Festlichkeit den Hauptgesprächstoff während des Offiziersmittagstischs. Jeder wollte so originell als möglich angezogen erscheinen, und es war ein langes Hin- und Herberaten, bis man sich über das zu wählende Kostüm schlüssig wurde.
So kam der Tag des Festes allmählich heran. Am Nachmittag traf ein kleines Heer von Friseuren ein, und der Regimentsschneider zog mit seiner Nadelgarde von einem Herrn zum anderen, um noch Änderungen an den Kostümen vorzunehmen oder mit hülfreicher Hand einzugreifen, wo etwas nicht paßte.
Um sieben Uhr erwarteten die Ordonnanzen in schwarzen Kellnerfräcken die Festteilnehmer, und es währte keine halbe Stunde, bis die Herren und Familien des Offizierkorps mit ihren Gästen vollzählig erschienen waren.
Es bot ein buntes, farbenprächtiges Bild, wie sie alle in ihren mehr oder minder geschmackvollen originellen Verkleidungen durcheinanderwogten, während die Musik aus den verschiedenen Ecken des Festplatzes ihre Tanzweisen ertönen ließ. Dabei floß der Sekt in Strömen, und an einem Gartentische sah man sogar einen derben Bauern, den Knotenstock zwischen den Beinen, eine Portion Kaviar verzehren, während daneben ein Zirkusklown einen Hummer zerlegte.
Die drolligste Figur aber war der Kommandeur in seinem polnischen Bauernkostüm, mit der Pelzkappe auf dem Kopf. Wäre er in dieser Verkleidung auf dem Schweinemarkt in Pommern erschienen, hätte jeder Käufer einen bedeutenden Borstentier-Züchter in ihm vermutet, mit dem es sich lohnte, einen Handel anzufangen. Es machte ihm sichtlich auch keine Mühe, durch entsprechende Gebärden und Bewegungen die Treue seiner Rolle zu erhöhen.
Da der Sekt auf allgemeine Unkosten ging, war der Herr Oberst schon nach einer Stunde »veilchenblau«.