Sein hoher Adjutant hatte nicht gut daran getan, die Verkleidung eines polnischen Juden zu wählen, denn auf diese Weise ersetzte er geschickt, was seinem Äußeren am waschechten Mauschel noch fehlte.

Frau König sah als Kammerzofe reizend aus, und ihre blauen Augen strahlten vor Vergnügen. Wäre es im Ernst gewesen, so hätte die niedliche blonde Dirn mit dem lebensfrohen frischen Gesichtchen sofort eine Stellung mit hohem Lohn gefunden. Dies erkannte auch der Jägerbursch, dessen Züge denen Bleibtreu's auffallend ähnlich waren, und er beschloß, mit dem sauberen Mädel »zu gehen«, um sich dann mit ihm zum Standesamt zu begeben. Erst das Ende des Festes machte einen Strich durch die so schönen »Flitterstunden« des jungen Paares und führte ihm die rauhe Wirklichkeit in Gestalt des zum Aufbruch mahnenden Gatten vor Augen.

Auch Frau Leimann erschien als Vierländerin nicht minder begehrenswert. Das Kostüm stand ihr gut, und Borgert weidete sich mit sichtlichem Behagen an der schönen Figur und den kleinen Füßchen seiner Hausgenossin.

Frau Kahle kokettierte als Blumenmädchen mit den jüngeren Herren, indem sie aller Augen auf den Ausschnitt ihres Kleides zog, an welchem sie eine herrliche Rose befestigt hatte. Auch sie spielte ihre Rolle vortrefflich, denn der Sekt ließ bereits eine befriedigende Wirkung erkennen. Leutnant Kolberg als Modegigerl hatte ihr bereits alle Blumen abgekauft und sie dann als »Arbeitslose« gänzlich mit Beschlag belegt.

Frau Rittmeister Stark allein paßte gar nicht in das Milieu des Festplatzes hinein. Die Wahl ihrer Gewandung hatte ihr heftiges Kopfzerbrechen verursacht, denn als Blumenmädchen oder Balletteuse zu erscheinen, schien ihr zu gewagt. Die Rolle einer Äpfel- oder Butterfrau fürchtete sie als zu naturgetreu, und so schwebte sie denn in einem schillernden Phantasiekostüm durch die Menge, das sie auf Befragen neckisch für das einer »Nixe in mittleren Jahren« erklärte. So hatte sie sich in eine Wolke rosa und mattgrüner Spitzen gehüllt, und der gewaltige Busen schien die Meereswogen darzustellen, während die bloßen Arme eigentlich mehr den Eindruck machten, als seien sie das Handwerkszeug einer »Kraftmenschin« oder Riesendame.

Drei jüngere Herrn bildeten ein vortreffliches Vagabunden-Kleeblatt, und man konnte glauben, die zerlumpten Gesellen hätten sich meuchlings von der Landstraße eingeschlichen, um einmal ein Fest der »oberen Zehntausend« mitzumachen. Die zu ihrer Rolle passende Trunkenheit hatten sie sich in kürzester Zeit angeeignet.

Leutnant von Meckelburg stand als Leierkastenmann unbeweglich in einer Ecke und konnte sich nicht entschließen, an dem lustigen Treiben teilzunehmen, dabei machte er ein Gesicht, welches nicht unmittelbar auf die Anwesenheit von Geist schließen ließ. Erst als er in späterer Stunde seine musikalische Dekoration in einem Winkel des Festplatzes verborgen, stellte sich allmählich etwas Geist ein, der aber dem Grunde einer geleerten Sektflasche entstammte.

Die Musik spielte die schönsten Tanzweisen und benutzte die Pausen zu intensivem Studium des Bierfasses, dessen Hahn aus dem Tannengrün ihres Podiums herauslugte.

Um 11 Uhr begann die Festvorstellung auf der kleinen dazu errichteten Bühne.

Ein Leutnant trug als Einleitung zwei prinkelnde Kouplets vor, indem er als anmutige Chansonette in einem reichlich dekolletierten Babykleidchen auf der Bühne herumhüpfte. Daran schloß sich die Aufführung einer Parodie auf Shakespeares »Hamlet«, in deren Verlauf sämtliche Mitwirkende durch Mord, Gift, Blitz, Hunger und Durst elendiglich zu Grunde gehen. Zum Schluß trat sogar der Souffleur auf die Bretter und gab, erschüttert durch die vor seinen Augen sich abspielenden Greuel, seinem inhaltlosen Leben durch freiwilligen Sturz in die Versenkung einen würdigen Abschluß.