So war die Stimmung immer anregender geworden und allmählich unterschied sich die Fastnachtsfeier des Offizierkorps nur noch durch den immer noch strömenden Sekt von dem Treiben auf einem wirklichen Festplatz zur Zeit der Dorfkirmes.
Leutnant Kolberg hatte sich inzwischen mit Frau Rittmeister Kahle in einer Laube niedergelassen und eine Rollschutzwand davorgestellt, um ungestört und ungesehen ein trautes Stündchen zu verbringen.
Eine kleine »Flirtation« war ihm Lebensbedürfnis, und, da die Garnison mit ihren soliden Bürgerstöchtern und ehrbaren Frauen seinen diesbezüglichen Ansprüchen nicht gerecht wurde, wollte er einmal hier sein Heil versuchen. Er wußte ja von Pommer her, wes Geistes Kind Frau Grete war und wollte nun auf diplomatischem Wege das Feld sondieren.
Die dazu erforderliche Zeit aber hatte er zu lange bemessen, denn schon nach einer Viertelstunde lag die kleine Frau wonne- und liebestrunken in seinen Armen und wehrte sich nicht im Geringsten, als der feurige Galan die Rose am Busen seiner neuen Geliebten einer eingehenden Besichtigung unterzog.
Das war doch ein anderer Kerl wie sein unbeholfener Vorgänger, der hatte Mut und Feuer, und sie malte sich ein Liebesleben mit dem neu eroberten Romeo in den glänzendsten Farben.
In einer anderen Laube saß Oberleutnant Leimann ganz allein und vergoß Bäche von Tränen. Das heulende Elend hatte ihn wieder pünktlich nach dem sechsten Glase gepackt.
Jeden tröstlichen Zuspruch wies er schroff zurück, und die Ordonnanzen wollten sich tot lachen, wenn sie den heulenden ungarischen Magnaten wie ein Häuflein Unglück auf einem Weinfaß sitzen und herzbewegend schluchzen sahen.
Seine Gattin fand die Situation höchst langweilig und beschloß daher, einen Migräneanfall zu bekommen. Sie nahm also mit müden Zügen in einer anderen Ecke Platz und bat den sofort hinzukommenden Borgert, sie nach Hause zu bringen.
Durch diesen Auftrag nicht unangenehm berührt, bot er der schönen Vierländerin den Arm, geleitete sie zur Garderobe, warf ihr den Pelzmantel über die Schultern und geleitete sie nach Hause.
Als sie vor der Tür des gemeinsamen Hauses standen, tat sie einen tiefen Seufzer und sagte leise: