»Mein Mann?« erwiderte Frau Leimann mit spöttisch emporgezogenen Lippen, »der kann bleiben wo er ist, wie ich ihn kenne, kommt er vor morgen früh auch nicht nach Hause. Ich habe den Menschen schrecklich satt! Ich kann ja zu Ihnen offen reden!«

»Ja, gnädige Frau, das sind eben die Freuden und Leiden des Ehestandes. Drum prüfe, wer sich ewig bindet, sagt Schiller, denn sonst gibt es eben ein Unglück!«

»Sie haben gut reden! Man kann doch in den paar Wochen, die man verlobt ist, nicht seinen Zukünftigen so kennen lernen, wie man es in der Ehe tut. Hätte ich das gekonnt, dann hätten wir nicht diese Dummheit begangen, uns zu heiraten. Denn ich bin ihm jetzt zu arm und er wird mir allmählich unausstehlich!«

»Darum heirate ich nie, ich lasse die Finger von diesem Hazardspiel!«

»Aber man ist doch schließlich dazu da!« erwiderte Frau Leimann fast gereizt, »man will doch später nicht als alte Jungfer zum Gespött der Leute werden.«

»Nach unseren Gesetzen und gesellschaftlichen Regeln hilft es eben nichts, gnädige Frau, da heißt es entweder heiraten oder ledig bleiben. Aber das ist entschieden eine Lücke in unserer Weltordnung. Wie wenige sind es, die, nach langjähriger Ehe vor die Frage gestellt, ob sie sich noch einmal heiraten würden, mit einem aufrichtigen »Ja« antworten könnten! Meistens würde man doch die Gelegenheit benutzen, auseinander zu laufen. Ich setze dabei also voraus, daß es eine Bestimmung gäbe, die nach beispielsweiser zehnjähriger Ehe diese trennen und den Gatten eine nochmalige gegenseitige Heirat gestatten würde.«

»Sie haben Recht, manche möchten schon nach den ersten Wochen wieder auseinander, aber sie müssen weiter neben einander her vegetieren, weil sie durch die sogenannte Ehe zusammengebunden sind.«

»Das wäre etwas voreilig gehandelt, gnädige Frau, denn viele Ehegatten müssen sich erst an einander abschleifen und ganz genau kennen, um sich schätzen zu lernen, wozu oft lange Jahre gehören, und dann kommt es doch häufig vor, daß sie in späteren Jahren recht gut miteinander auskommen, während sie früher wie Hund und Katze standen.«

»Gewiß, aber wenn nach zehn Jahren keine Liebe da ist, dann kommt sie auch nicht mehr!«