Der Morgen des jungen Tages vertrieb die letzten Festgäste aus dem Kasino. Ausnahmslos hatte der Sekt seine Wirkung getan, und man verließ den Festplatz in einer Stimmung, die darnach angetan war, die Grenzen des guten Tones immer mehr zu überschreiten.
Die nahe Turmuhr schlug fünf, als die letzten, Rittmeister Stark nebst Gattin und der Oberst, den seit drei Stunden wartenden Krümperwagen bestiegen, dessen Pferde, durch den anhaltenden Regen ganz steif geworden, sich kaum entschließen konnten, ihre Last in den Morgennebel zu ziehen. Erst als der Kutscher einen Puff erhalten und mit der Peitsche diesen an die armen Tiere weitergegeben hatte, kam das Gefährt ins Rollen und brachte die übermütigen Nachtschwärmer ihrer Wohnung zu.
Leutnant von Meckelburg und Oberleutnant Specht konnten zwar kaum noch auf den Beinen stehen, aber sie gingen getrost in die Kaserne, um von 5-6 Uhr Instruktion abzuhalten, nachdem sie sich schnell umgezogen. Specht vergaß sogar, seinen künstlichen Schnurrbart zu entfernen und erschien mit dieser an ihm ungewohnten Zierde der Männlichkeit vor seinen lächelnden Rekruten.
Die meisten andern Herren zogen es vor, erst ihren Rausch ein wenig auszuschlafen und ließen Dienst Dienst sein, vor 11 Uhr kam heute doch kein Rittmeister in die Kaserne.
Sie sollten mit ihrer Vermutung auch Recht haben. Rittmeister König allerdings war pünktlich um 7 Uhr zur Stelle und wohnte Bleibtreus Reitunterricht bei, um dann eine Zählung der Kammerbestände vorzunehmen. Sein Grundsatz war und blieb: Vergnüge dich, so viel du willst, aber Dienst ist Dienst.
Hagemann erschien erst gegen elf Uhr auf der Bildfläche, um seinen Kater von seinem Leibroß ein wenig spazieren tragen zu lassen. Stark dagegen zog es vor, ganz zu Hause zu bleiben. Dafür kontrollierte seine wackere Gattin, mit dem Notizbuch in der Hand, ob alle Reitlehrer bei ihren Abteilungen seien und notierte Kolberg als den ersten, der den Dienst »schwänzte«.
Um ½1 Uhr empfing sie den Besuch des Rittmeisters Hagemann, der sich entschuldigen wollte, weil er am gestrigen Abend infolge seiner sehr angeregten Stimmung der »Meernixe« einige unzarte Schmeicheleien gesagt hatte. Er hatte nämlich geäußert, sie müsse infolge ihres Fettgehaltes vorzüglich schwimmen können, wenn das Meer nicht vor der Fülle ihres Nixenleibes aus den Ufern träte.
Leimann ging ebenfalls eilig im Helm durch die Hauptstraße, um auch seinerseits für sein gestriges Benehmen um Entschuldigung zu bitten.
Erst der Abend fand die Mehrzahl der Herren bei einem solennen Dämmerschoppen im Kasino versammelt, wo man das Fest des vergangenen Tages besprach und in mehr oder minder würzigen Reden die einzelnen Teilnehmer einer Kritik unterzog.
Borgert verstand es dabei, in ganz besonders scherzhafter Weise das Neuste über den nicht mit anwesenden Kolberg und Frau Kahle zu berichten. Seinem Späherauge war nichts entgangen, er vermochte sogar zu sehen, was hinter einer Rollschutzwand geschah.