»Es ist gut, Sie können gehen!«

Schweigend setzte sich das Ehepaar zu Tisch. Weil machte ein böses Gesicht, und seine Gattin schaute mit hochgezogenen Augenbrauen nicht von ihrem Teller auf. Sie blickte erst mit ängstlicher Miene nach ihrem Manne hinüber, als die Korridortür geöffnet und Frau Kahle's Stimme hörbar wurde.

»Sie kommt, Max! Mache um Gotteswillen keine Szene! Denke an die Dienstboten, die können alles hören!«

Weil aber antwortete nichts, blickte auch nicht nach der Tür, als diese sich jetzt auftat und Frau Major hereintrat.

Ihr Gesicht glühte, und die Augen schimmerten in feuchtem Glanz. Das blonde Haar war verwirrt und eine Nadel stahl sich aus dem großen Knoten am Hinterkopfe. Zwei Knöpfe der luftigen Sommerblouse standen offen, und aus der Öffnung schaute ein kleiner Zipfel zierlicher weißer Spitzen hervor.

»Guten Abend, meine Herrschaften!« rief die Eintretende mit heiterer Stimme dem Ehepaare entgegen, »verzeihen Sie meine Verspätung, aber Frau Klein forderte mich auf, mit ihr zur Stadt hinüber zu fahren und dadurch wurde es etwas spät. Es war reizend, wir waren im Kaffee und haben Besorgungen gemacht!«

Weil erhob sich steif und trat seinem Gast gegenüber.

»Gnädige Frau!« sagte er ernst und ruhig, »es ist unnötig und vergebliche Mühe Ihrerseits, uns über den Zweck Ihrer Abwesenheit heute Abend täuschen zu wollen. Der Brief, der am Nachmittag für Sie ankam und durch einen Zufall in unsere Hände gelangt ist, beweist in unzweideutiger Form, daß Sie das Ihnen gewährte Gastrecht in schändlicher Weise gemißbraucht haben. Darf ich Sie bitten, so bald als möglich, spätestens aber bis morgen früh, mein Haus zu verlassen. Heute Abend wollen Sie uns gütigst allein lassen.«

Er machte eine steife Verbeugung und ließ sich wieder am Tisch nieder.