Der Zweikampf wurde an sich ebenfalls genehmigt, doch nicht unter den von Kahle gestellten Bedingungen. Vielleicht fürchtete man, durch einen nach jenen Bedingungen unvermeidlichen blutigen Ausgang zu viel Staub aufzuwirbeln. Waren doch in letzter Zeit mehrere Fälle vorgekommen, bei denen der Tod eines der Duellanten die verhängnisvollsten Folgen für diejenigen hohen Vorgesetzten mit sich brachte, welche die Ausfechtung des Zweikampfes nicht aufgehalten oder die Bedingungen abgeschwächt hatten.

So lautete denn die neue Forderung auf 35 Schritt Distanz und einmaligen Kugelwechsel mit glatten Pistolen ohne Visier.

Kahle wurde also keine Gelegenheit gegeben, den Schänder seiner Hausehre zu strafen, weil die Herrn Vorgesetzten nicht ihre Haut dabei zu Markte tragen wollten. Denn dieser Zweikampf war nur eine Farce, ein blutiger Ausgang mußte lediglich ein unglücklicher Zufall sein.

Borgert war von Kolberg gebeten worden, ihm zu sekundieren, und der Oberleutnant willigte mit Vergnügen ein, denn einesteils spielte er gern die Rolle des ungefährdeten Zuschauers, andererseits glaubte er sich dadurch Kolberg zu verpflichten, die Rückzahlung der tausend Mark hatte somit noch ein Weilchen Zeit.

Ein Trinkgelage versammelte die Getreuen Kolbergs in dessen Wohnung, bevor er nach der Stadt in Süddeutschland abreiste, deren Umgebung der Schauplatz des Zweikampfes werden sollte. Er betrank sich dabei so, daß es dem Burschen schwer wurde, den Leutnant gegen Morgen aus den Federn zu bringen, damit er den Zug nicht versäume.

Borgert war es ebenso gegangen, er machte so, wie er auf dem Bahnhof stand, den Eindruck, als käme er gerade von einem Festgelage.

In diesem Zustande hatte er natürlich »vergessen«, sich Reisegeld einzustecken und nahm es großmütig an, als Kolberg ihm einen Hundertmarkschein in die Hand drückte. — —

Es war ein kalter Morgen, als zwei Wagen in flottem Trabe den Schießständen von Kahles Garnison zufuhren.

Die Sonne schaute gerade über den Bergrücken im Osten heraus und sandte ihre ersten flachen Strahlen auf die reifbedeckten Stoppelfelder. Friedlich lag die Natur in ihrem herbstlichen Kleide, auch im Walde herrschte tiefes Schweigen, nur manchmal unterbrochen durch das Herabfallen eines welken Blattes, wenn es seinen Weg raschelnd zwischen den Zweigen zu Boden suchte, zu seinem Totenbette.

Im ersten Wagen saßen Kolberg, Borgert und zwei Ärzte, im zweiten Kahle, sein Sekundant und die beiden Mitglieder des Ehrenrates, welche dem Zweikampf als Unparteiische beizuwohnen hatten. Unter dem Rücksitz lag der Pistolenkasten.