Der Professor Raff tritt gar nicht erst in die Klasse hinein. »Jungs,« sagt er gleich auf der Schwelle, »Herr Professor Zirbel ist erkrankt und fehlt heute. Nehmt eure Diarien und kommt schnell in die Unter-Sekunda O! – Na, macht schnell, Jungs!«
Der Herr tritt damit bis in die Mitte des Flures hin zurück. –
Der Bann, der bis zum letzten Augenblicke auf der Klasse gelegen, er ist gebrochen. Also kein Extemporale! Der Gefahr entronnen! Ein Alpdruck ist von jedem Herzen genommen. Wild schwirren die Ausrufe der Freude durcheinander.
»Ach ’ott! Ach ’ott! Jroßartig!«
»Hoffentlich kommt der vor den Ferien überhaupt nicht mehr!«
»Na, morgen haben wir doch wieder! Wenn er nun da schreiben läßt!«
»Ach, Unsinn! Jungs, morgen keiner Geometrie mitbringen!«
»Mein Diarium! Donnerwetter! Schnell doch! Ach, da liegt’s ja!«
Der Herr Professor Raff ist wieder in die Tür getreten und klopft mit dem Schlüssel ungeduldig an eine der eisernen Heizröhren. »Na, Jungs, mal ein bißchen dalli!«
Ja doch, die Jungen wollen ihm ja schnell folgen! Der schönste Lockruf hätte ihnen wirklich nicht flinkere Beine machen können! Im Nu ist auch die Klasse jetzt leer, und fröhlich lärmend ziehen die Tertianer der Unter-Sekunda zu. Die Jungen darin sind zusammengerückt und betrachten mit einem kleinen Unbehagen im Gesicht die Ankömmlinge aus der Tertia. Sie haben französische Lektüre. In der Sekunda, wie überall ja sonst auch, blamiert man sich nicht gern und noch dazu vor einer Klasse, die tiefer steht als man selber. –