[10] Pfennige.

»Na nu?« – Die Jungen sehen ganz erstaunt auf. Sie waren gewohnt, sonst immer noch etwas Kürturnen zu haben. – »Schon?« – »Was ist denn eigentlich heute mit dem los?«

Paperlink stand auf seinem Kommandokasten, mit dem er – wie er einmal selber verraten – seiner Länge eine Elle hatte zusetzen wollen. Er blickte starr auf den Fleck hin, auf dem die Klasse eigentlich nun bald stehen sollte.

Die Jungen wurden etwas ängstlich. Einer drängte den andern. »Dunnerwetter ja, was ist denn heute nur passiert? Man ’n bißken fix jetzt!«

Die Klasse stand in Rotten ausgerichtet da und hielt die Blicke erwartungsvoll auf Paperlink geheftet, der immer noch starr vor sich hinsah.

»Als ginge er hinter einem Leichenwagen her!« flüsterte der kleine Köckeritz, der Frechdachs.

Endlich, endlich hob der Herr Turnwart den Kopf und bewegte die Lippen.

»Ja, ich habe mit den Herren ein Wort deutsch zu reden.« (NB. wenn Paperlink feierlich werden wollte, dann redete er hochdeutsch.) »Ich habe zu meinem größten Bedauern gehört, was ihr alles für Hanaken – ich wollte sagen, was ihr alles für unpatriotische Jungen seid, die nicht wert sind, Deutsche zu heißen, weil sie sich zur Parade von Seiner Majestät frei geben lassen und doch nicht zur Parade gehen. Der Ordinarius hat mir erzählt, daß nur einundzwanzig Mann von der Unter-Tertia O zu diesem Fest gegangen sind und fünfzehn also nicht. Ich wenigstens finde, es wäre ganz gut, wenn ihr euch bei solcher Gelegenheit unsere feinen Soldaten mal ein bißchen genauer ansähet und euer deutsches Gefühl daran ein bißchen stramm aufrichten wolltet. Solch Gang am Montag durch die Belle-Alliance Straße hätte auf einen richtigen Jungen viel mehr wirken können als die gelehrtesten Reden über die Vaterlandsliebe. Das ist meine Meinung. Und deshalb werde ich die Herren, die am Montag nicht an der Parade teilgenommen haben, bestrafen.«

Der Redner schöpfte tief Atem, während die Jungen unten vor ihm zum Teil recht betroffen, zum Teil recht schadenfroh dreinsahen.

»Vortreten,« hob Paperlink wieder an, »wer sich die Parade nicht angesehen hat!«