»Warum?«
»Er ist immer so still und so steif. Das kann ich nicht ausstehen!«
»Wenn er dich aber nun mal verhaut! Er ist ja doch viel älter und viel größer als du!«
»Ja, das wohl! Aber das tut er nicht. Wir sind sonst ja die besten Freunde!«
Einen Augenblick geht Doktor Fuchs neben dem kleinen Köckeritz her, so daß der Zeit hat, so fröhlich und schelmisch mit den Augen nach links und nach rechts zu blinzeln, um seine Bekannten zu suchen. Endlich aber sagt Doktor Fuchs: »Nun, höre mal, Achim! Du bist ja sonst ein ganz vernünftiger Junge. Ja, Ehrenfried ist etwas steif und schwerfällig; aber das kommt doch von den Verhältnissen her, in denen er lebt. Du weißt doch, daß er keinen Vater und keine Mutter mehr hat?«
»Das habe ich gehört; er selbst hat’s noch keinem von uns gesagt!«
»So? Er ist aber doch nun schon über ein Jahr auf unserer Schule!«
»Ja, er trat hier in die Quarta ein; aber er hat noch keinem was über sein Leben erzählt. Ich weiß nur, daß er draußen in Moabit wohnt, bei seinem Onkel. Der ist gewöhnlicher Fabrikarbeiter!«
»Siehst du, Junge, Fabrikarbeiter! Gewöhnlicher Fabrikarbeiter, mein Junge! Das sagt noch gar nichts; aber er ist sicher ein sehr ehrlicher und fleißiger Mann, und das sagt viel! Und nun – jetzt halt mal die Ohren steif! – gefällt es mir gar nicht, daß du immer so an Ehrenfried herumhakst. Er schleppt das Bewußtsein mit sich herum, eine Waise zu sein und seinem Onkel zur Last zu liegen; vielleicht verstehst du das noch nicht recht, mein Junge; aber du mußt es mir glauben, daß das auf den armen Ernst Ehrenfried drückt. Na also, Achim, von jetzt ab läßt du mir unsern Primus etwas in Ruhe!«
»Herr Doktor!« – Dem kleinen Köckeritz ist jetzt das Weinen näher als das Lachen. – »Wir sind ja sonst die besten Freunde. So hatte ich es ja auch gar nicht gemeint!«