Eines Tages war ich selbst unter ihnen. Da wir nun ein „Volksreich“ hatten, wollte ich es schützen. Ich begab mich nach Schanghai, wo ich mich bei den Kuang fu tschün Truppen, die im Taiyang Tempel bei Chapei lagen, gegen einen Monatssold von elf Dollar einreihen liess. Nach einigen Monaten wurden die Truppen aufgelöst, und ich ging wieder nach Nanking, wo ich unter den Kan sze tui Truppen, die bei der Eroberung von Nanking so kühn vorgegangen waren, aufgenommen wurde. Ich hatte soviel von den „Truppen, die den Tod nicht fürchteten“ gehört, dass ich mich freute, bei ihnen zu sein. Der Monatssold betrug nur acht Dollar, das Essen war frei. Die Truppen wurden von dem Obersten Liu Fu piao befehligt, der früher ein Führer der geheimen Gesellschaft Ko lao hui war. Wir waren im Fu Tse ying in der Nähe der Huai ting Brücke untergebracht. Mehrere Monate vergingen. Eines Tages wurde die Nachricht im Lager verbreitet, dass wir gegen die Truppen Yüan Schih kais kämpfen sollten. Ein paar ältere Leute unserer Truppe waren darüber ganz aufgeregt und sangen vor Freude Kriegslieder, die ich zum ersten Mal hörte. Und plötzlich hiess es, Nanking sei von Peking abgefallen und habe sich selbständig erklärt. Nach westländischem Kalender geschah das im Juli. In unserm Lager begann ein geschäftiges Treiben. Wir achthundert Mann tauschten unsere einschüssigen Gewehre gegen fünfschüssige aus, jeder erhielt eine Feldausrüstung mit Mantel und fünfzig Patronen. Auf den Mannschaftsstuben ging es lebhaft her. Wir Jüngern lauschten den Aeltern, die von Kriegstaten erzählten, von Bomben, Granaten und zerrissenen Gliedmassen. Dann gingen wir in voller Ausrüstung schlafen. Am folgenden Morgen bliesen schon frühzeitig die Hörner. Wir traten an und marschierten nach dem Hu ning Bahnhof, wo wir mit dem Zug nach Schanghai befördert wurden. Nach unserer Ankunft in Schanghai wurden wir auf Booten den Huangpu aufwärts nach Schih li pu (Nantao) befördert. Es dauerte lange, bis für unsere achthundert Mann eine passende Unterkunft gefunden war. Schliesslich bezogen wir in einer Schule hungrig und müde Quartier. Nachts um drei Uhr heulte ein furchtbarer Sturm. Und plötzlich hörte man den Schall einer Kanone. Wir wurden alarmiert und zogen durch enge Gassen in die Nacht. Vor uns marschierte das 61ste Bataillon, das Befehl hatte, das Arsenal von Nordwesten her anzugreifen. Wir bezogen vor dem Südwesten der Stadt als Reserve Stellung. Bis zum frühen Morgen dauerte das Schiessen. Viele kleine Geschosse und Granaten flogen über uns weg. Gegen Dämmerung wurden die ersten Toten und Verwundeten des 61sten Bataillons an uns vorbeigetragen. Er dauerte nicht lange, da musste das Bataillon, das drei Stunden mit dem Arsenal im Kampf gelegen hatte, zurückgehen. Es ging nicht zurück, es lief. Und wir lagen mit frischen Kräften hinten in Deckung; die Aeltern von uns wurden ungeduldig, schalten unsere Offiziere offen Feiglinge und wollten, die übrigen Mannschaften anfeuernd, vorwärts stürmen. Als die Offiziere jeden niederzuschiessen drohten, der seine Stellung verlasse, wurden die Unzufriedenen ruhig und knirschten nur ab und zu Flüche durch die Zähne. Während der ganzen Kämpfe ums Arsenal erging es uns so. O, Schmach, o Schmach. Wir mussten zusehen, wie Hunderte unserer Brüder von den Geschossen des Feindes hingerafft werden, ohne sie zu rächen. Wir sahen aber allmählich ein, dass alle Versuche, den Brüdern zu helfen, Wahnwitz gewesen wären. Unsere achthundert Gewehre reichten nicht gegen die grossen Kanonen des Feindes aus. Dennoch blieb wütender Zorn in unserm Herzen, dass wir nicht einmal schiessen durften. Unser Befehl lautete, das Leben der Einwohner der Stadt zu schützen. Und so zogen wir als Patrouillen Tage lang durch die Strassen der Stadt.

Eines Tages kam Liu Fu piao ins Quartier, liess die Patrouillen zurückziehen und gab Befehl zum Ausrücken. Niemand wusste, wohin es ginge. Die Aelteren freuten sich, weil sie glaubten, nun würde wirklich gekämpft. Statt dessen wurde einmal richtig gegessen, denn wir hatten seit vierzehn Tagen kein anständiges Essen im Leibe. Liu händigte einem Unteroffizier eine Summe Geldes aus und liess dafür über tausend warme Kuchen kaufen, von denen jeder Mann einen bekam. Dann marschierten wir kauend weiter nach dem Gebäude der Schansi Gilde am Nantao Bund, wo wir den Rest des im Feuer gewesenen 61sten Bataillons trafen. Wir waren noch nicht weggetreten, als Liu Fu piao mit einem etwa dreissig Jahre alten Chinesen kam, der einen goldnen Zahn hatte. Liu sagte, dass Herr Tsai einige Worte an uns richten wollte. Herr Tsai verneigte sich kurz und sprach, er sei bei dem Führer der Nordsoldaten gewesen, der sich sehr erfreut darüber ausgesprochen habe, dass die tapferen Kan sze tui Truppen ihre Kräfte aufgespart hätten und noch nicht gegen das Arsenal vorgegangen wären. „Ich sehe“, sprach Tsai weiter, „Ihr seid vom Hunger mager, Euch mangelt an Brot; Eure Waffenröcke sind zerschlissen. Folgt mir, ich will Euch Beides geben.“ Liu Fu piao bekräftigte mit wenigen Worten, was Tsai gesprochen hatte.

An demselben Tages wurden wir unter unserm neuen Führer Tai Hsing auf Boote verladen und nach den Wusung Forts gebracht, wo wir in der „Chung kuo kung hsueh“ bei dem Dorf Wen tsan pang Quartier bezogen. Tai Hsing hatte für ein gutes Quartier und ausreichendes Essen gesorgt, sodass bald frohe Laune herrschte. Die Leute auf meiner Stube stimmten das Kan sze tui Lied an:

Wer in tiefe Schluchten dringt,

Den Tiger dort zur Strecke bringt,

Ist mutig.

Wer in den tiefen Meerschlund taucht,

Und Perlen holt, die sein Liebchen braucht,

Ist mutig.

Doch kühner als der Jägersmann,