„Was ist sie hier?“
„Kellnerin, Onkel, aber sie ist rein geblieben.“
„Hast du ihr schon gesagt, daß du sie heiraten willst?“
„Nein, Onkel, aber ich werde es bald tun. Sie hat es nicht leichtsinnigerweise getan, sondern aus Mitleid und übergroßer Liebe zu mir. Und nun habe ich eine sehr große Bitte an dich. Willst du mit mir in das Restaurant, wo sie angestellt ist, zu Mittag gehen und ihr die Hand geben?“
„Ja, mein Junge, das will ich tun. Deine Errettung ist mir soviel wert.“
Liesel errötete vor Schreck und Scham, als Franz mit dem Pastor, der sie getauft und eingesegnet hatte, in das Lokal trat. Aber sie kam schnell auf die Herren zu und knickste. Und als ihr der alte Pastor mit freundlichem Blick die Hand bot, beugte sie sich darüber und küßte sie, während ihr vor Freude die Tränen in die Augen traten. „Ach, lieber Herr Pastor, ist das eine Freude .... Wie geht es meiner Mutter?“
„Gut, mein Kind, du sorgst ja so treu für sie. Verdienst du soviel?“
„Ja, Herr Pastor. Es ist viel zu tun und die Trinkgelder fließen reichlich.“
Ehe sie nach dem Essen weggingen, fand Franz noch Gelegenheit, ihr zuzuflüstern, daß Onkel Uwis alles wüßte. Sie erschrak im ersten Augenblick, aber dann kam eine große Freude über sie, als der alte Herr ihr auch beim Abschied die Hand mit freundlichem Lächeln bot.
Während Franz sich umzog und zum Dienst ging, gab der Pastor ein Telegramm an Vater Rosumek auf: „Alles in Ordnung. Keine Sorge ..“