Mit entsetzten Augen sah der Pastor auf den jungen Freund, der aufgeregt im Zimmer auf und ab ging. „Franz, du bist krank zurückgekehrt. Ich will heute mit dir nicht rechten und nicht streiten ... Sieh dich erst mal einige Wochen in der Heimat um, aber mit offenen Augen ohne Scheuklappen davor. Hör mal erst, wie die neuen Herren Deutschlands sich gebärden und wie die neue Weltordnung aussieht, die sie aufgerichtet haben. Dann wollen wir weiter darüber reden.“

Franz trat zu ihm ans Bett und reichte ihm die Hand. „Verzeih, Onkel, ich wollte dich nicht kränken. Du magst Recht haben, daß die neue Zeit viel Unerfreuliches zutage bringt, aber das ist bei solchen Umwälzungen unvermeidlich. Das muß bei den großen Errungenschaften mit in Kauf genommen werden.“

„Teuerer Kauf,“ murmelte der Alte, „aber nun geh nach Hause und begrüß die Mutter. Nur um eines bitte ich dich: erschrick die alte Frau nicht durch deine heftigen Redensarten. Sie ist schon sehr hinfällig.“

Als Franz in den Flur seines Elternhauses trat, kam aus der Küche seine Schwester Emma, ein stattliches Weib mit hartem Gesicht und kalten Augen.

„Was wünschen Sie?“

Mit bitterem Lächeln erwiderte er: „Kennst deinen Bruder wirklich nicht mehr?“ Er wandte sich zur Stubentür. Da trat sie vor ihm und versperrte ihm den Weg. „Die Mutter ist sehr schwach, ich muß sie erst vorbereiten.“

In Franz wallte der Zorn auf. „Weib, bist du toll? Du willst mich nicht zur Mutter lassen?“

Aus der Stube kam ein schwacher Ruf: „Franz! ... Franz! ...“

Mit einem harten Griff schob er die Schwester zur Seite und trat ein. Aus dem Lehnstuhl am Fenster streckte ihm die Mutter die Hände entgegen. Freudentränen rannen über ihr welkes Gesicht. Er warf sich vor ihr auf die Knie, barg sein Gesicht in ihrem Schoß und weinte lange still vor sich hin.

Als er aufstand, war sein Gesicht ruhig, aber hart. „Mutter, weißt du, daß nach dem Willen des Vaters der Hof mir gehören sollte?“