„Geschenkt!“, erwiderte Lüdicke lachend, „es ist doch selbstverständlich, daß die Kirche im Dorf bleiben muß. Wir wollen nicht zerstören, sondern neu aufbauen .... Und weshalb sollen wir nicht, was gut ist, behalten? Aber nun möchte ich auch hören, wie es dir geht. Wo ist die Liesel?“

„Die ist bei der Geburt eines Jungen gestorben. Mein Vater ist als Landsturmmann schon 1914 gefallen. Meine Schwester hat auch ihren Mann verloren. Meine Rückkehr hat ihr wenig Freude bereitet, denn sie fühlte sich schon als Alleinerbin und Besitzerin des Hofes. Nun macht sie ihn mir streitig, obwohl es der ausdrückliche Wille meines Vaters war, ihn mir zu geben.“

„Das ist der Fluch des Geldes und des Besitzes. Er wirft Zwietracht zwischen Eltern und Kinder und zwischen Geschwister. Nun sag mal, alter Freund und Genosse, willst du dich hier einkapseln und als Bauer versauern?“

„Nein, das möchte ich nicht, aber ich kann hier nicht weggehen, ehe der Streit um die Erbschaft entschieden ist.“

„Wer hat denn darüber zu entscheiden?“

„Jetzt noch die Mutter.“

„Gut, dann werden wir das morgen gleich in Ordnung bringen.“

Es war wunderbar, wie sich alles im Hause dem Gast beugte und fügte. Zuerst mußte der Inspektor ihm in Gegenwart von Franz und Emma seine Wirtschaftsbücher vorlegen. Sie waren sehr unordentlich geführt, ergaben aber, daß erhebliche Summen beiseite gebracht worden waren. Einen Teil hatte Emma erhalten, aber für viele Posten fehlte jeder Beleg, wofür er ausgegeben war.

„Was willst du deswegen veranlassen?“, fragte Lüdicke.

„Ich werde nichts gegen den Mann tun, wenn er sofort das Haus verläßt.“