Ohne ein Wort zu erwidern, stand der Inspektor auf und ging hinaus. Nun begaben sich alle drei zur Mutter. Frau Rosumek tat etwas ängstlich, als der Gast, den sie gestern Abend nur flüchtig begrüßt, ihr zuredete, in seinem Beisein über den Hof und die Erbschaft zu verfügen. Aber sie nahm sich zusammen und erklärte Franz zu ihrem Haupterben. Lüdicke brachte ihren Willen sofort zu Papier und ließ alle drei unterschreiben. Emma erhob keinen Einwand, worüber sich Franz im Stillen wunderte. Es schien ihm, als ob sie es vermeiden wollte, dem Gast zu mißfallen. Als Franz in seiner Ehrlichkeit dann noch die ihm von der Mutter übergebenen Werte zur Sprache brachte, entschied Lüdicke, Emma habe wohl ebensoviel aus der Wirtschaft herausgenommen. Und sie gab sich damit zufrieden.
Als der Gast am nächsten Morgen Abschied nahm, befürchtete Franz noch eine heftige Auseinandersetzung mit der Schwester. Sie blieb jedoch aus. Im Gegenteil, Emma kehrte nicht die Kratzbürste, sondern die freundliche Seite ihres Wesens heraus, fragte den Bruder nach seinen Wünschen wegen des Essens und erfüllte sie. Er war, wie er merkte, durch die Freundschaft mit Lüdicke eine Respektsperson für sie geworden. Daß der stattliche Mann ihr sehr gut gefiel und sie ihn zu gewinnen hoffte, ahnte er nicht.
Als Lüdicke nach acht Tagen unvermutet wiederkehrte, wurde er sehr freundlich empfangen. Emma war klug. Sie verstand es, den Gast zum Reden zu bringen und aufmerksam zuzuhören .... Und sie umgab ihn mit wohlberechneten Aufmerksamkeiten, so daß Lüdicke sich im Hause seines Freundes sehr behaglich fühlte und von seinen Reisen durch die Provinz immer wieder nach Schwentainen zurückkehrte .... Eines Tages überraschte er Franz mit der Frage, ob er ihm als Schwager willkommen wäre.
„Das ist doch keine Frage, alter Freund. Bist du mit meiner Schwester schon einig?“
„Nein, ich habe ihr noch kein Wort gesagt, aber ich glaube, sie mag mich gut leiden. Willst du mir den Gefallen tun und auf den Busch bei ihr klopfen?“
Franz lachte laut auf. „Du hast dich nicht vor Tod und Teufel gefürchtet und hast vor einer Schürze Angst? Aber selbstverständlich tue ich dir den Gefallen.“
„Schönen Dank und vergiß auch nicht, bei deiner Mutter ein gutes Wort für mich einzulegen.“
Emma wurde weder rot noch verlegen, als ihr Franz die Frage vorlegte, ob sie Lüdicke nehmen möchte. Ihr Wesen kam jedoch sehr deutlich durch die Frage zum Ausdruck: „Was ist er eigentlich?“
„Arbeiter, einfacher Metallarbeiter. Aber die Leute verdienen jetzt ein Heidengeld.“ Mit geheimem Vergnügen sah er ihre Enttäuschung. „Er wird aber jetzt Gewerkschaftssekretär ... das ist eine sehr einflußreiche Stellung. Er kann bald Landrat oder gar Minister werden.“
„Wenn das richtig ist, kann er bei mir anklopfen.“