„Gern, Herr Oberamtmann“, erwiderte Franz. „Ich möchte aber das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden. Kann ich von Ihnen Saatgut bekommen? Mein Speicher ist leer wie eine Tenne.“

„Aber selbstverständlich, Rosumek.“

Lotte saß am Fenster der Wohnstube, als Franz ins Pfarrhaus zurückkehrte. Sie hatte die fleißigen Hände still im Schoß gefaltet und plauderte mit dem kleinen Franzel, der an ihren Knien stand. Franz setzte sich ihr gegenüber und nahm seinen Jungen auf den Schoß.

„Ich komme im Auftrage meiner Mutter,“ begann er zögernd, „wir betrachten es als selbstverständlich, daß du jetzt zu uns kommst.“

Lotte senkte den Kopf, um den Wechsel der Farben auf ihrem Gesicht zu verbergen. Ganz leise erwiderte sie: „Franz, wie kannst du mir das zumuten?“ Ihre Hände hoben sich und verdeckten das Gesicht.

Ratlos sah Franz sie an. „Aber Lotte, ich verstehe dich nicht. Du bist doch bei meinen Eltern wie ein Kind im Hause gewesen. Meine Mutter hat dich lieb wie ihre eigene Tochter.“

Jetzt hob Lotte den Kopf und sah ihn fest an. „Quäl mich nicht, Franz, ich kann nicht.“

„Das heißt, du willst nicht“, erwiderte Franz traurig. „Was soll denn aus meinem kleinen Jungen werden? Die Mutter ist gebrechlich, ich habe wenig Zeit, mich um ihn zu kümmern.“ Er setzte Franzel ab. „Geh, bitt’ du die Tante, daß sie dich nicht allein läßt, sondern zu uns kommt.“

Der Kleine hatte mit verwunderten Augen von einem zum anderen geschaut. Er hatte begriffen, daß die Tante mit ihm nicht zum Papa gehen wollte. Jetzt umfaßte er ihre Knie. „Tante, liebe Tante, komm doch mit uns.“

Mit beiden Händen umfaßte Lotte seinen Kopf und küßte seine Stirn. „Ich kann nicht, mein lieber, süßer Bub. Ich muß weit fortgehen zu fremden Menschen.“ Sie hob den Kopf. „Ja, Franz, es ist besser, daß ich mich jetzt von dem Kinde trenne. Über lang oder kurz wirst du dir eine Frau nehmen, und dann muß ich aus dem Hause.“ ...