Der Herbst hatte seine bunten Farben über den Wald gestreut. In allen Schattierungen von gelb und rot leuchteten die Laubhölzer und Sträucher zwischen dem dunklen Grün der Fichten und den fahlen Stämmen der Kiefern.
Die Stare hatten sich bereits zu großen Gesellschaften vereinigt, bald brausten sie zu einer Wolke geballt durch die Luft und übten Flugkünste für die weite Fahrt nach dem Süden, bald saßen sie schwatzend und lärmend in den Rohrkampen des Flusses. Die Sonne lachte dazu vom wolkenlosen Himmel. Lange weiße Fäden segelten mit dem schwachen Winde über die Erde, hafteten an Baum und Strauch und wehten wie Wimpel vom Mast der Schiffe. Ab und zu stieg eine Lerche vom Stoppelfeld empor, um nach kurzem Sang wieder herunterzugleiten.
Es lag wie ein Abschiednehmen auf der Flur, aber nicht die Wehmut einer Trennung für immer, nein, bei diesem Abschied klang daneben schon das hoffnungsfreudige „Auf Wiedersehn“, „Auf baldiges Wiedersehn“.
Vom Walde her kam ein Grünrock dahergeschritten, das Bild eines kernigen deutschen Weidmanns, groß gewachsen, breitschultrig, mit langwallendem Bart, in dessen Dunkel das herannahende Alter schon die ersten weißen Fäden gewebt hatte. Sein scharfes Auge hatte bereits den Trupp Reiter entdeckt, der im behaglichen Schritt herangeritten kam. Keine Waffe blitzte, keine Farben strahlten, denn die bunte Pracht der Uniform war einem stumpfen Grau gewichen. Nur die strenge Ordnung der Reiter verriet, daß es eine Abteilung Dragoner aus der nahen Kreisstadt war. Der Forstmeister hob schon von weitem grüßend und winkend die Hand, als er die an der Spitze reitenden Offiziere erkannte. Es waren ihm liebe Freunde, die schon oft an seinem gastlichen Tisch gesessen. Der Major Aldenhoven verhielt den Gaul. „Guten Tag, Herr Forstmeister, können wir ein Stündchen bei Ihnen rasten?“
„Ich bitte darum, Herr Major.“
Er trat an den Reiter heran und reichte ihm die Hand. „Das schöne Wetter hat wohl die Herren zu einem Spazierritt verführt?“
Der Major lachte: „Stimmt auffällig, Herr Forstmeister, nur verbinden wir damit einen kleinen Nebenzweck. Ich will meinen Offizieren und Mannschaften das Gelände bis zur Grenze einprägen.“
Auf dem geräumigen Hof der Oberförsterei stiegen die Dragoner ab. Die Offiziere folgten dem Grünrock in das Haus, wo die freundliche Hausfrau mit zauberhafter Schnelligkeit ein kräftiges Frühstück auftragen ließ. Als die Gläser zu dem ostpreußischen Nationalgetränk auf den Tisch gestellt wurden, rief der Major lachend: „Aber, lieber Forstmeister, es stehen heute wirklich keine Grogzeichen am Himmel.“
„Die haben wir nur für Fremdlinge erfunden, lieber Major, wir Eingeborenen brauchen diesen Vorwand zum Grogtrinken nicht“, erwiderte der Grünrock lachend. „Sind Sie schon auf dem Heimwege?“
„Ach nein, so leicht nehmen wir den königlich-preußischen Dienst nicht, wir reiten nachher noch Ihre Forst ab und kehren erst gegen Abend heim.“