„Ach, Kind, wie ich dich vermißt habe.“
Am anderen Morgen fuhr Franz nach Polommen und verlebte dort ein paar gemütliche Stunden. Er mußte zu Mittag bleiben und viel von seinen Erlebnissen erzählen. Eine Frage nach Adelheid schwebte ihm auf den Lippen, doch er scheute sich, sie auszusprechen. Frau Olga merkte es und begann selbst von ihr zu erzählen. „Meine Freundin Adelheid hat im Krieg auch Schweres durchgemacht. Einer ihrer Verehrer warb, als er ins Feld ziehen mußte, um ihre Hand und ließ sich mit ihr kriegstrauen. Fünf Tage dauerte ihr Eheglück. Nach drei Wochen schon wurde sie Witwe. Ihr Gatte hatte jedoch ihre Zukunft sichergestellt, so daß sie ihr gewohntes Leben fortsetzen kann.“
„Wie die Lilie auf dem Felde“, warf der Oberamtmann ein.
„Sie kommt übrigens in nächster Zeit wieder zu Besuch“, fuhr Frau Olga fort. „Wenn Sie mal am Sonntag uns besuchen wollen?“ ...
„Na, na“, warnte der Gutsherr mit dröhnendem Lachen. „Ist das nicht gefährlich für Sie, lieber Rosumek?“
„Ach nein, Herr Oberamtmann“, erwiderte Franz ruhig. „Die Episode meines Lebens liegt wie ein dunkler Traum hinter mir.“
Einige Tage später traf der neue Pfarrer, Hans Pilchowski, ein. Ein großer, schlanker Mann, der am Alltag noch mit Vorliebe seine Uniform als Feldgeistlicher trug. Das gefiel den Bauern, bei denen er der Reihe nach seinen Besuch machte. Er kam auch zu Franz mit einem großen Paket Druckschriften unter dem Arm und stellte sich vor.
„Herr Rosumek, ich halte Sie für den geistigen Führer der Gemeinde und möchte zwischen uns ein gutes Einvernehmen herstellen. Vor allem möchte ich Sie für den Heimatdienst interessieren und in Anspruch nehmen. Wir sind jetzt hier völlig vom Mutterlande abgeschnitten und auf uns allein gestellt. Die größte Gefahr, die uns jetzt droht, ist der Kommunismus in Rußland, der Bolschewismus. Er arbeitet mit großen Mitteln und einer unheimlichen Werbekraft unter den niederen Klassen und streckt auch nach uns seine Hände aus.“
„Es ist die Werbekraft der neuen Idee“, erwiderte Franz zurückhaltend.
„Ja, aber der müssen wir uns entgegenstemmen und die Leute über das wirkliche Wesen des Bolschewismus aufklären. Dazu ist der Heimatdienst gegründet.“