„Ich habe etwas anderes gehört, Herr Pfarrer. Es ist eine konservative Gründung der Deutschnationalen, wie sie sich jetzt nennen, nur zum Zweck, die Massen wieder einzufangen und wieder dumm zu machen.“
Ganz verblüfft sah der Pfarrer Franz an. „Aber, Herr Rosumek, stehen Sie denn nicht in unserem Lager? Sie haben doch für das Vaterland gekämpft und geblutet.“
„Das haben Millionen meiner Genossen auch getan. Aber jetzt sind wir aus dem Traum erwacht. Wir wollen nicht mehr unsere Haut für die Profitgier des Kapitalismus zu Markte tragen. Das Volk will und wird fortan selbst und allein sich sein Schicksal bestimmen und wird klüger und ehrlicher handeln als die früheren Machthaber.“
„Erst muß ich einen Irrtum von Ihnen richtigstellen“, versetzte der Pfarrer ernst. „Sie sind über die Verhältnisse in der Heimat noch nicht im Bilde. Der Heimatdienst steht im Dienste keiner politischen Partei. Er ist völlig neutral und hat nur den Zweck, die Heimatliebe zu pflegen und dadurch den Willen und die Kraft zur Abwehr feindlicher Einflüsse zu stärken .... Sie verwechseln ihn mit der deutschnationalen Parteiorganisation, die sich Heimatbund nennt, der ich allerdings auch angehöre.“
„Unser Standpunkt ist wohl so verschieden, daß wir kaum je zusammenkommen werden, Herr Pfarrer. Ich halte die Revolution und ihre Folgen für den größten Fortschritt, den wir je getan haben und lasse mich in dieser Meinung auch nicht durch die üblen Nebenerscheinungen beirren, die bei jeder großen Umwälzung unvermeidlich sind.“
„Nur noch eine Frage, Herr Rosumek. Wie stellen Sie sich zu der Tatsache, daß der Feindbund uns Masuren und dem Ermeland eine Abstimmung darüber auferlegt, ob wir deutsch bleiben oder polnisch werden wollen?“
„Ich glaube nicht, daß die Masuren große Lust haben, polnisch zu werden, aber wenn die Abstimmung danach ausfällt ...“
„Nein, Herr Rosumek, das darf sie nicht. Hier scheiden sich unsere Wege wohl für immer, wenn Sie nicht anderen Sinnes werden. Uns treibt unsere Heimatliebe, mit allen Mitteln daran zu arbeiten, daß die gefährdeten Bezirke, nach denen der Pole seine gierigen Hände ausstreckt, dem Vaterland erhalten bleiben. Und wer nicht für uns ist, der ist wider uns. Ich will aber die Hoffnung nicht aufgeben, Sie doch noch auf unserer Seite zu finden.“
„Mich führt auch noch eine geschäftliche Angelegenheit hierher“, fuhr der Pfarrer nach einer kleinen unangenehmen Pause fort. „Ich möchte von Fräulein Grigo das Inventar der Ackerwirtschaft erwerben. Ich habe mich auch noch mit ihr wegen der Übernahme der Bestellung auseinanderzusetzen.“
Lotte wurde hereingeholt, und unter dem sachverständigen Beirat von Franz kam eine beide Teile befriedigende Vereinbarung zustande.