„Sie steht in deiner Macht,“ erwiderte die Mutter nachdrücklich, „du sollst mir noch eine liebe Tochter ins Haus führen.“
Als er schwieg, fuhr sie fort: „Die Liesel ist doch nun schon vier Jahre tot und du kannst sie nicht ewig betrauern. Und Lotte wird nicht ewig dir die Wirtschaft führen. Wenn ich die Augen zumache, geht sie fort. Was soll dann aus dir und Franzel werden?“
„Du hast Recht, Mutter, es gehört eine Frau auf den Hof. Weißt du eine für mich?“
Die alte Frau lächelte. „Du gehst wohl mit Scheuklappen umher, mein Sohn? Du willst doch vom Leben auch noch ein bißchen Glück haben. Weshalb streckst du nicht die Hand aus und nimmst es dir?“
„Wen meinst du denn, Mutter?“, fragte er heuchlerisch, denn in ihm wogte schon die Gewißheit.
„Ach, stell dich doch nicht so“, erwiderte die Mutter etwas unwillig. „Das kann doch der Blinde mit dem Stock fühlen, daß Lotte dich lieb hat, viel mehr, als du es verdienst, du Schlingel. Sie hat dich schon geliebt, als du hinter der schönen Frau herliefst, sie hat dich betrauert und deinen Jungen an ihr Herz genommen, nur aus Liebe zu dir, nicht zu dem Mädel, das seine Mutter ist .... Schon aus Dankbarkeit solltest du sie heiraten, um deinem Jungen die richtige Mutter zu geben.“
„Ja, aber wenn sie mich ausschlägt?“
„Soll ich etwa den Freiwerber für dich spielen? Nun geh, du wirst jetzt wissen, was du zu tun hast.“
In seliger Unruhe ging Franz aufs Feld. Würde sie ihm glauben, daß er sie lieb hatte, mehr als er selbst gewußt? Wenn er nur zu ihr etwas freundlicher gewesen wäre! Aber sie war ja auch so kühl und förmlich und vermied es, ihm Gesellschaft zu leisten. Höchstens über Wirtschaftssachen hatten sie manchmal ein Gespräch geführt.
Als er auf den Hof zurückkam, lief ihm sein Bub entgegen. Er nahm ihn auf den Arm und trug ihn in das Haus.