„Ach wo, das wäre doch ein Jammer. Die Herren sprachen doch von der masurischen Seenkette, die gehalten werden soll.“

„Das wurde nur als Möglichkeit besprochen, denn es ist wenig wahrscheinlich, daß wir genug Truppen haben werden, um noch eine lange Linie zu besetzen.“

Ahnungslos ließ Walter aus sich alles herausholen, was er von den Offizieren gehört hatte. Der schwere Rotwein und noch einige Kognaks, die der Ober aus freien Stücken spendete, übten auf ihn ihre Wirkung. Mit schwankendem Gleichgewicht bestieg er sein Rad und fuhr nach Hause. Als er gegen Mittag mit schwerem Kopf erwachte, kam ihm erst zum Bewußtsein, daß er heute wieder die Mutter um einige hundert Mark erleichtern müßte, um seine Schuld zu tilgen. Der Vater, der eine Dienstreise zu mehreren vereinzelt gelegenen Revieren angetreten hatte, kam sicher heute nicht nach Hause. Er umschmeichelte die Mutter und bat sie um Geld. Sie schlug es ihm rundweg ab. Sie habe ihm einen vergnügten Abend in der Stadt gegönnt und das wolle sie vor dem Vater wohl vertreten, aber wenn er heute noch nach Hause käme und er sei nicht da, dann gäbe es ein Donnerwetter, und lügen könne sie nicht.

In jämmerlicher Stimmung wanderte er zur Waldschänke. Olga kam ihm bei der Begrüßung mit einer Handvoll Papiergeld entgegen. Wie ein Blitz fuhr ihm der Gedanke durch den Kopf, sie anzupumpen.

„Schatzel, kannst du mir mit 500 Mark aushelfen? Wenn mich der Alte nach Königsberg ausrüstet, gebe ich es dir wieder.“

Sie warf lachend die Scheine auf den Tisch und zählte die Summe ab.

„Der Onkel ist schon heute früh über die Grenze gefahren.“ Sie sah ihn zärtlich besorgt an. „Was ist denn mit dir, du siehst ja so blaß aus, hast du einen Brummschädel?“

„Ja“, erwiderte er mit einem tiefen Aufatmen. Das Gespräch mit dem Ober war ihm plötzlich eingefallen. Ein Gedanke war in ihm aufgestiegen, aber der erschien ihm so ungeheuerlich ....

5. Kapitel

Über die Gipfel der Lindenbäume war der Mond emporgestiegen und schaute verwundert auf die beiden, die untergefaßt das große Rasenstück in der Mitte des Gartens umwandelten. Der kühle Trunk, der Greise jung macht, hatte ihre Lebensgeister erfrischt. Sie hatten gescherzt und gelacht, bis Tante Uwis, die gegen Abendkühle etwas empfindlich war, sich in den Schutz des Hauses zurückgezogen hatte. Dann hatte der Pastor seinen jungen Freund unter den Arm genommen. „Komm, mein Junge, wir wollen nach alter Gewohnheit auf und ab spazieren. Dabei erzählt es sich besser. Vor Jahren einmal habe ich dir versprochen, von meinen Studentenjahren zu erzählen. Heute will ich das Versprechen einlösen.“ Er sah zum Mond empor. „Hast du jemals schon empfunden, wenn Goethe sagt: