„Füllest wieder Busch und Tal
Still mit Nebelglanz,
Lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz.“
„Du weißt, mein Junge, ich bin ein einsamer Mensch. Alle Jubeljahre komme ich mit meinen Amtsbrüdern zusammen und hier im Dorfe ist dein Vater der einzige, mit dem ich näheren Umgang pflege. Aber die Gedanken, die mir durch das Labyrinth der Brust wandern, habe ich zu keinem Menschen aussprechen können. Manches, aber nicht alles, habe ich zu dir gesprochen. Jetzt bin ich glücklich, denn du bist unter meinen Händen herangewachsen zu einem verständigen Jüngling, der fortan mein Freund sein soll. Junge, — du kannst das Lob vertragen —, ich freue mich über dich. Du bist kein Duckmäuser und kein Bücherwurm, und das schreibe ich mir als Verdienst zu. Ich habe es nie verstehen können, wie man gegen eine gesunde Lebensfreude eifern kann. Wenn unser Herrgott nur an Kopfhängerei und Weltschmerz Gefallen fände, dann hätte er den Menschen und den Vögeln nicht die Kehle zum Singen gegeben, dann hätte er die Natur nicht mit leuchtenden Farben geschmückt. Das ist meine Lebensphilosophie. Sie mag sehr primitiv sein, aber sie ist für den Durchschnittsmenschen die beste. Und sie ist uns schon von der Bibel als Weisheit Salomonis überliefert. Dein Religionslehrer hat sie so treffend in wenige kurze Sätze gefaßt. Weißt du sie auswendig?“
„Alles Irdische ist eitel. Drum ist Lebensgenuß zu empfehlen. Doch mache man den Lebensgenuß unschädlich durch Weisheit. Die höchste Weisheit aber ist die Furcht Gottes.“
„Das ist’s, was ich meine! Frisch und froh sich regen, ringen, kämpfen und die Freuden des Lebens genießen, aber dabei vor sich und Gott ein anständiger Kerl bleiben, das ist der beste Spruch, den ich dir auf deinen Lebensweg mitgeben kann.“
Er blieb stehen und streckte Franz die Hand hin:
„Schlag ein, Junge!“
Hand in Hand traten sie an den Tisch und stießen mit vollen Gläsern an. Dann nahmen sie wieder ihre Wanderung auf.