„Damit muß ich mich zufrieden geben. Aber sag’ mal, mein Junge, hast du den Entschluß ganz aus freien Stücken gefaßt ...?“

Franz sah sie fest an. „Nein! Der Onkel hat es mir nahegelegt, Vaters Wunsch zu erfüllen. Da ist es mir durch den Kopf gefahren: wenn der Vater mich auf der landwirtschaftlichen Hochschule studieren läßt ....“

„Das ist doch selbstverständlich“, fiel Rosumek ein.

„... dann kann ich auch auf der Universität die Vorlesungen hören ....“

„Und dann springst ab von der Landwirtschaft“, meinte der Schulze ruhig. „Mutter, gib dich zufrieden! Ich sehe es schon kommen, daß er weder Landwirt noch Pastor wird ... Darin müssen wir uns fügen. Trink deinen Kaffee und dann zieh dich gut an, wir wollen beide heute gleich zum Oberamtmann Strehlke nach Polommen fahren, ob er dich als Lehrling aufnimmt ...“

„Als Eleve, Vater ...“

„Nein, als Lehrling. Er soll dich nicht mit Handschuhen anfassen, sondern überall hinstellen, wo es etwas zu lernen gibt, genau so, wie ich es bei seinem Vater durchgemacht habe. Wenn du dann standhältst, bist du echt ...“

Ein wenig bedrückt stieg Franz zu seinem Stübchen hinauf. Er hatte sich schon das Jahr auf einem großen Gut recht angenehm ausgemalt. Lernen wollte er alles, was es zu lernen gab, das war selbstverständlich Aber daneben wollte er auch etwas freie Zeit haben, um sich mit seinen geliebten Büchern beschäftigen zu können. Ab und zu auch auf die Jagd gehen ... Er mußte sich ordentlich einen Ruck geben, um seinen Entschluß nicht jetzt schon zu bereuen. Er nahm seinen guten Rock aus dem Schrank und begann, die Alberten rauszuziehen. Einen zog er aus, bog die Nadel etwas ein und verwahrte ihn besonders in einem Schächtelchen. Ein sonniges Leuchten ging dabei über sein Gesicht.

Auf der Fahrt sprach der Vater wenig. Nur ab und zu machte er eine Bemerkung über den Boden und den Stand der Felder. Franz hörte still zu. Seine Gedanken liefen voraus in das Haus, in dem er sein nächstes Lebensjahr zubringen sollte. Der Oberamtmann galt als der beste Landwirt weit und breit. Sein Betrieb lief wie am Schnürchen, sein Vieh erhielt auf jeder Ausstellung die ersten Preise. Aber was war er für ein Mensch? Gut und milde oder scharf und grob?

In Polommen ließ Rosumek das Fuhrwerk am Tor halten und ging allein ins Herrenhaus. Schon nach wenigen Minuten erschien er wieder auf der Treppe und winkte Franz ... Aus einem Korbstuhl hob sich eine mächtige Gestalt. Ein blonder, großer Bart, der bis auf die Brust hinab reichte, bedeckte sein Gesicht, aus dem zwei scharfe graue Augen den eintretenden Jüngling musterten. Eine breite, starke Hand streckte sich ihm entgegen.