„Das gefällt mir, Franz“, lobte die Frau. „Heute möchte ich Sie mit Beschlag belegen. Wollen Sie zum Kaffee wiederkommen und den Abend bei uns verleben?“
„Sehr gern, gnädige Frau, nehme mit Dank an.“
„Sie Musterknabe haben sich ja schon bei der Gnädigen lieb Kind gemacht“, meinte Kolbe mit deutlichem Ärger in der Stimme, als sie aus dem Herrenhause traten. „Mich behandelt sie wie Luft.“
„Sie werden wohl durch irgend etwas das Mißfallen der gnädigen Frau erregt haben“, sagte Franz ruhig.
Ende November gab es eine angenehme Abwechselung durch die große Treibjagd, die der Oberamtmann veranstaltete. Schon einige Tage vorher ließ er auf dem Schlag hinter der Scheune die Treiber dazu einüben. Es wurde ein Kessel angelegt. Von zwei gegenüberliegenden Punkten wurden die Treiber abgelassen. Die Flügel wurden von den beiden Kämmerern und den Lehrlingen geführt. Der Oberamtmann ritt im Kessel umher und sprengte sofort auf die Stelle zu, wo sich zwischen den Treibern eine Lücke bildete. Dann donnerte und wetterte er, daß es weit übers Feld schallte. Am Jagdtage trafen die Gäste schon bei Tagesgrauen ein. Nach einem kräftigen Frühstück brach die Gesellschaft auf. Es war in der Nacht etwas Schnee gefallen. Hell und klar ging die Sonne auf. Dazu wehte ein frischer Ost. Das richtige Jagdwetter.
Franz durfte seine Flinte führen und schießen. Er hatte guten Anlauf und übereilte sich nicht, so daß er mit der Anzahl der von ihm erlegten Hasen immer unter den Ersten war. Sein Leidensgefährte war kein Jäger, er ging als Treiber mit.
Als beim Schüsseltreiben das Jagdergebnis verlesen wurde, rief Frau Oberamtmann ein lautes Bravo, als Franzens Name genannt und sein Weidmannsheil verkündet wurde. Nach Aufhebung der Tafel setzten sich die alten Herren an die Spieltische. Das junge Volk vergnügte sich durch ein Tänzchen. Die Hausfrau holte Franz aus dem Spielzimmer und stellte ihn mehreren jungen Mädchen vor ... Es war ein schöner Tag und Abend, an den Franz noch oft mit großem Vergnügen zurückdachte.
8. Kapitel
Es war gut, daß Grinda seiner Nichte die Schlüssel übergeben hatte als er wegfuhr, denn sein Stellvertreter, ein entfernter Verwandter, eignete sich zum Krugwirt, wie ein Igel zum Sitzkissen. Er vergaß sich nie ein Gläschen einzuschenken, wenn die Arbeiter Schnaps tranken. Ja, er verlangte von Olga auch die Schlüssel, aber sie war klug und energisch und gab sie nicht heraus.
Walter war unter dem Vorwand eines Pirschganges in den Wald gefahren und gegen Abend in der Waldschänke eingekehrt. Er fand dort eine Gesellschaft, alles junge Leute aus der Stadt, die ihm unbequem waren, und da er auch mit der Möglichkeit rechnen mußte, daß der Vater unverhofft heimkehren könnte, fuhr er zum Abendbrot nach Hause. Arglos erzählte ihm die Mutter, daß der Vater ihr durch den Fernsprecher mitgeteilt hätte, er werde erst am nächsten Vormittag nach Hause kommen. Er leistete ihr Gesellschaft und erfreute sie durch eine eingehende Schilderung alles dessen, was er sich im nächsten Semester einpauken lassen werde, um im Frühjahr das Examen zu machen. Dann setzte er sich ans Klavier, das er meisterhaft beherrschte, obwohl er nie strengen Unterricht gehabt und alles nur nach dem Gehör spielte.