Eine Stunde später hatten sie die Räuber in einem Jagen des Torfbruches eingekreist, und nun ging es in aller Eile nach Hause. Erst wurden die Förster durch den Fernsprecher benachrichtigt, die eine Menge Treiber aufbieten sollten, dann ging die Mitteilung an eine Anzahl Jäger in die Stadt. Kurz vor Mittag war die Jagdgesellschaft an dem Jagen versammelt. Die Treiber, die den Dienst schon kannten, bestellten in aller Stille drei Seiten des Jagens, während die vierte von den Jägern besetzt wurde. Bald nachdem die Treiber mit heftigem Gebrüll in das verschneite Dickicht eingedrungen waren, krachte ein Schuß. Bald darauf fielen noch zwei Schüsse. Beide Wölfe waren zur Strecke gebracht. Der eine vom Forstmeister, der andere vom Major Aldenhoven.

Das Weidmannsheil wurde in der Waldschänke gefeiert. Olga bediente ihre zahlreichen Gäste sehr gewandt und aufmerksam. Das Verschwinden ihres Onkels schien sie nicht sehr zu bekümmern. Und als der Major versprach, unauffällig Erkundigungen einzuziehen, zuckte sie nur die Achseln und meinte, das hätte doch keinen Zweck. Am anderen Vormittag ging Walter allein zu ihr. Olga erzählte ihm ganz unbefangen, sie habe jetzt einen Bräutigam, einen sehr ordentlichen Menschen. Zum Frühjahr, wenn sie mündig geworden wäre, wollte sie ihn heiraten, die Waldschänke verkaufen, wenn der Onkel noch nicht zurückgekehrt wäre und in der Stadt einen Laden aufmachen. Walter fühlte, daß das lyrische Intermezzo vom Herbst keine Fortsetzung finden würde und verabschiedete sich bald.

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Wenige Tage später durchlief die Kunde, daß Grinda zurückgekehrt wäre, die ganze Gegend. Er war verlaust und verlumpt und sah jämmerlich elend aus. Der Forstmeister, der auch unter den Gedanken litt, daß er dazu beigetragen hätte, den alten Schulkameraden ins Unglück zu bringen, ging sofort zu ihm, und fand ihn im Bett liegen.

„Ja, Forstmeister,“ meinte er, mit einem schwachen Versuch zu lächeln, „diesmal bin ich nur mit knapper Not der hanfenen Halsbinde entgangen. Ein Glück nur war’s, daß ich mich auf mein gutes Gedächtnis verlassen und deshalb mir auch nicht die kleinste Aufzeichnung gemacht habe. Mein Notizbuch enthielt nur Eintragungen über meine Käufe und Verkäufe. Ich hatte mir den Plan zurecht gelegt, hier und dort bei den Bauern einige Stücke Vieh aufzukaufen und sie nach Garnisonorten zu treiben, um sie an die Proviantämter der Truppen, mit oder ohne Nutzen zu verkaufen. Das Geschäft ging gut und ich habe in den ersten drei Wochen eine ganze Menge neuer wichtiger Nachrichten gesammelt.

Plötzlich wurde ich in Augustowo, als ich schon an die Rückreise dachte, verhaftet und in die Kosa gesperrt. Am nächsten Morgen wurde ich scharf verhört. Ich stellte mich dumm und berief mich auf einen jüdischen Großhändler, der mir bezeugen kann, daß ich schon viele Jahre in Rußland als Aufkäufer tätig sei. Der russische Auditeur fiel darauf rein und ließ den Mann holen und mir gegenüberstellen. Auf diese Weise erfuhr der Händler, wo und in welcher Gefahr ich mich befand.

Du, Forstmeister,“ unterbrach er seinen Bericht, „ich bin ohne Zweifel auf eine Anzeige von deutscher Seite aus verhaftet worden. Hier muß einer nicht dicht gehalten haben.“

„Das ist ganz ausgeschlossen“, erwiderte der Grünrock. „Von den wenigen Offizieren, die um den Zweck deiner Reise wußten, hat sicher keiner geplaudert und von mir ist es wohl selbstverständlich. Vielleicht ist eine weibliche Zunge im Spiel.“

„Damit kannst du nur meine Nichte meinen.“ Er pochte an die Wand, worauf Olga eintrat. Sie leugnete ganz entschieden, obwohl sie sich daran erinnerte, daß sie es Walter gesagt hatte, wohin der Onkel gefahren war.

„Dann bleibt es mir unerklärlich,“ fuhr Grinda fort, „daß der russische Auditeur wußte und mir vorhielt, daß ich hier in der Waldschänke ein gutgehendes Geschäft habe. Ich erwiderte, das Geschäft sei so schlecht gegangen, daß ich meine Ersparnisse zugesetzt hätte und gezwungen gewesen wäre, so wie früher meinen Unterhalt durch Viehhandel zu erwerben. Acht Tage brachte ich in einem elenden Loch zu, wo es von Ungeziefer wimmelte. Dann wurde ich wieder zum Verhör geführt, wo man mir vorhielt, daß das Geschäft hier glänzend ginge. Man hatte also hier einen Gewährsmann, bei dem man Erkundigungen einziehen konnte. Ja noch mehr, es sei hier bekannt, daß ich nach Rußland gegangen sei, um Spionage zu treiben.