Er war ein sehr ernsthafter Mensch, der sich unter einem schweren Schicksal mühsam emporgerungen hatte und nun in seinem Beruf volles Genüge fand. Aber ihn dauerte der junge Mensch, der seiner Obhut übergeben war. Eine große Begeisterung für den ihm von der Not aufgedrungenen Beruf durfte er bei ihm nicht voraussetzen. Dazu entbehrte er den Umgang mit Altersgenossen, die Abwechslung die wie eine Entspannung und Erholung wirkt, und Geist und Körper mit neuer Spannkraft erfüllt.
Im Herbst bis Weihnachten hatte Walter noch eine kleine Auffrischung durch die Jagd. Sie beschränkte sich allerdings darauf, daß er gegen Abend an den Waldrand ging und auf dem Anstand einen Küchenhasen erlegte. Jetzt hatte das auch aufgehört. Dafür stellte Walter, der schon etwas Erfahrung aus dem Elternhause mitbrachte, den ranzenden Füchsen mit dem Tellereisen nach und richtete in den Remisen Futterstellen ein, die von dem hungernden Wild dankbar angenommen wurden.
Dann unternahm es Braun, seinen Zögling in die Geheimnisse der Buchführung einzuweihen. Er ließ ihn in das wissenschaftliche Rüstzeug eines gebildeten Landwirts hineinsehen, der vorsichtig Ausgaben und Einnahmen abwägt, der die Gestehungspreise seiner Erzeugnisse genau verfolgt und schlechtere Methoden gegen bessere ersetzt. Und Walter war praktisch genug veranlagt, um die Wichtigkeit dieser Berechnungen zu erfassen und ihnen Interesse abzugewinnen.
Eines Tages schlug sein Lehrherr ihm vor, gegen Abend nach Polommen zu fahren und sich mit den beiden jungen Leuten bekannt zu machen. Er könne sie auch zu sich einladen, um gemeinsam die langen Abende zu verbringen. Mit Freuden nahm Walter den Vorschlag auf und fuhr im Einspänner hinüber. Franz, obwohl mehrere Jahre jünger als er, war ihm schon von der Schule her bekannt. Er wurde freundlich von ihm begrüßt. Franz hatte es sich in seiner Bude, in der angenehme Wärme herrschte, behaglich gemacht. Blaue Rauchwolken erfüllten das Zimmer. Er saß auf dem Sofa bei der brennenden Lampe. Der Tisch war mit aufgeschlagenen Büchern bedeckt.
„Mensch, was studierst du denn so eifrig“, fragte Walter nach der Begrüßung.
„Ich berechne die Ergebnisse des Körnerbaues nach den verschiedenen Düngungsarten.“
„Das muß eine interessante Beschäftigung sein,“ lachte Walter, „ich habe auch schon in die Geheimnisse der Wirtschaftsführung bei meinem Lehrherrn hineingerochen. Für heute abend möchte ich jedoch eine leichtere Beschäftigung vorschlagen. Spielst du Skat?“
„Jawohl, aber es ist auch danach, dazu muß ich aber meinen Leidensgefährten als dritten Mann heranholen.“
„Erst noch eine Frage: Was ist das für ein Mensch?“
„Gährender Most“, erwiderte Franz lachend. „Er hat auf der Presse das Einjährige errungen und betrachtet alles, was er jetzt noch lernen muß, als eine unwürdige Beeinträchtigung seiner persönlichen Freiheit. Ich mag ihn nicht, aber als Notnagel zum Skatspiel wird er zu brauchen sein.“