Kolbe war natürlich mit Vergnügen bereit, den dritten Mann zu machen. Er sorgte sofort für heißes Wasser. Rum und andere Getränke hatte er stets vorrätig, denn damit wurde er reichlich von Hause versorgt. Es wurde ein ganz vergnügter Abend, denen bald mehrere, entweder hier oder in Nonnenhof, folgten. Walter wunderte sich über sich selbst, daß er an diesem harmlosen Spiel zu geringen Sätzen Gefallen fand. Er wäre jedoch gern abends irgendwohin ausgekniffen, wo es schärfer zuging, wenn es nur möglich gewesen wäre.

Anfang Februar hörte Walter von der Mamsell, die dem unverheirateten Gutsherrn die Wirtschaft führte, daß Braun für einige Tage verreisen werde. Er bringe seine Schwester mit, für die sie die zweite Giebelstube einrichten sollte. Der älteren Person, die in der Küche ein strenges Regiment führte, schien die Vermehrung des Hausstandes durch ein weibliches Wesen nicht sehr zu passen. Wenn die Schwester dem Bruder glich, dann war es wohl mit ihrer Alleinherrschaft im Gutshause zu Ende.

Walter nahm die Neuigkeit mit geringer Teilnahme entgegen. Auch er hatte keine Hoffnung, daß die Vermehrung des Hausstandes durch eine alte Jungfer eine angenehme Abwechslung in ihrem Dasein hervorrufen würde. Sein Lehrherr machte ihm am Abend eine kurze Mitteilung von seiner Reise und sprach die Erwartung aus, daß er bei seiner Rückkehr alles in bester Ordnung vorfinden werde.

Bei Tagesgrauen fuhr Braun zur Bahn. Walter ging noch einmal durch die Ställe, um sich zu überzeugen, daß die Leute alle an der Arbeit waren. Als er den Kälberstall betrat, sagte ihm seine Nase, daß jemand darin geraucht haben müßte, was der Feuersgefahr wegen streng verboten war. Er roch deutlich den süßlichen Duft einer Zigarette. Der Missetäter konnte nur einer von den beiden halbwüchsigen Bengeln sein, die dabei waren, den Dünger aus dem Stall zu schaffen. Ohne ein Wort zu verlieren, holte er sich den Schweizer, der in erster Linie für die Ordnung im Stall verantwortlich war. Der Mann geriet in Aufregung und fuhr die beiden Bengel heftig an, die mit dreister Stirn leugneten. Ja, einer besaß sogar die Frechheit, zu sagen, vielleicht habe der Lehrling selbst geraucht, und wolle es nun auf sie schieben.

Walter schwieg dazu, aber eine Stunde später ließ er sich den Burschen, in dem er mit Recht den Übeltäter vermutete, auf den Speicher kommen und versohlte ihm gründlich das Leder, teils für das Rauchen, teils für die freche Beschuldigung. Den ganzen Tag über hielt sich Walter im Kälberstall auf, um eine Wiederholung des Rauchens zu verhüten.

Es war nicht ausgeschlossen, daß er den Kälbern einen Schaden zufügte, um Walter Ärger zu bereiten. Die heimtückischen, haßerfüllten Blicke, die der geprügelte Bursche ihm zuwarf, ließen ihn kalt. Am Nachmittag forderten die Pollommer Stoppelhoppser ihn durch den Fernsprecher auf, zu einem vergnügten Abend herüber zu kommen. Er erwiderte, er könne nicht von Hause fort, weil sein Chef verreist wäre. Sie möchten sich zu ihm bemühen. Bald nach dem Kaffee kamen beide an. Noch vor zehn Uhr rüsteten sie sich zum Aufbruch Gemeinsam gingen sie nach dem Stall, wo ihr Gaul eingestellt war, um ihn anzuspannen. Als sie um die Ecke des Kälberstalles bogen, sah Franz einen Menschen aus der offenen Tür schlüpfen und im Dunkeln verschwinden. Im nächsten Augenblick rief er: „Es riecht nach Rauch, das kann nur aus dem Stall kommen.“

Als sie durch die Tür stürmten, liefen schon an zehn bis zwölf Stellen knisternde Flammen durch das Stroh, das den Kälbern zur Nacht eingestreut war. Die verängstigten Tiere rissen wild an ihren Halftern und schlugen wie rasend mit den Hinterbeinen aus. Mit einigen Sätzen war Walter an dem Wasserrohr, aus dem die gemauerten Tröge gespeist wurden, während die beiden anderen die Flammen auszutreten versuchten. Dichter Rauch begann das Gebäude zu füllen. Die Schafe, die am anderen Ende eingepfercht waren, übersprangen ihre Hürden und rasten im Stall umher.

„Wasser her!“ schrie Franz, „dann schaffen wir’s noch.“

Da kam auch schon Walter mit zwei gefüllten Eimern angelaufen. Es war die höchste Zeit, denn an mehreren Stellen leckten bereits die Flammen an den Stangen, mit denen die Abteilungen geschieden waren, empor.

Es war ein großes Glück, daß der von einem Windmotor gespeiste Behälter, der sich auf dem Boden befand, mit Wasser gefüllt war, das im kräftigen Strahl aus dem Rohr schoß. Die Jünglinge schwitzten vor Eifer und Aufregung. Ihre Kleidung wurde naß, aber sie bezwangen das Feuer. Der größte Schaden war verhütet.