Jetzt galt es nur noch, die Kälber umzustellen und die Schafe, die auf den Hof hinausgelaufen waren, einzufangen und zurückzubringen. Der Schweizer und die Knechte wurden geweckt, dann nahm Walter seine Helfer mit, um den Brandstifter abzufassen. Er vermutete ihn anscheinend schlafend in seiner Kammer zu finden, aber er täuschte sich. Der Bursche war ausgerückt und hatte seine Sachen mitgenommen. Erst eine Stunde später, als alles wieder in Ordnung gebracht war, fuhren die Pollommer, durch deren tatkräftige Hilfe ein unermeßlicher Schaden verhütet worden war, ab. Walter hatte ihnen wiederholt mit herzlichen Worten gedankt, und sie noch durch ein Glas Grog gestärkt.

Er hatte noch keine Lust, sich schlafen zu legen. Er nahm den scharfen Hofhund von der Kette und suchte ringsum das Gehöft und das Gelände ab, obwohl es wenig wahrscheinlich war, daß der Brandstifter noch einmal zurückkommen würde, um sein Verbrechen zu wiederholen.

Am nächsten Morgen wurde der Gendarm von dem Vorfall und dem Verschwinden des Burschen unterrichtet. Er veranlaßte den üblichen Steckbrief, womit die Sache zunächst für längere Zeit und vermutlich für immer erledigt war.

Mit einigem Bangen erwartete Walter die Rückkehr seines Lehrherrn. Daß er dem Burschen des Rauchens wegen das Leder ausgewackelt hatte, war offenes Geheimnis des Hofes, und daß das Feuer aus Rache dafür angelegt war, konnte man auch nicht bezweifeln. Es war also das beste, was er tun konnte, daß Walter den Chef bei seiner Ankunft in Empfang nahm und ihm offen alles berichtete. Er sah ein zierliches, wegen der Kälte völlig vermummtes Persönchen, aus dem Schlitten steigen und ins Haus eilen. Braun nahm Koffer und Tasche seiner Schwester und folgte ihr, ohne die Mitteilung seines Zöglings einer Erwiderung zu würdigen. Er hatte Hans Kolbe auf dem Bahnhof getroffen und von ihm schon alles erfahren.

Mit einem unbehaglichen Gefühl ging Walter zum Kaffee ins Haus. Aber nicht so wie er es bisher gewöhnt war, in seiner Arbeitskleidung, sondern er begab sich auf sein Zimmer und zog sich nicht nur um, sondern er befreite auch sein Gesicht von den mehrere Tage alten Bartstoppeln. Sein Chef lächelte, als sein Eleve geschniegelt und gebügelt ins Zimmer trat und sich mit einer tiefen Verbeugung der Schwester vorstellte, die ihm mit freundlichem Lächeln die Hand bot. Walter hatte sehr gewandte Umgangsformen, aber der Unterschied zwischen der Erwartung und der Wirklichkeit verschloß ihm die Sprache. Mühsam raffte er sich zu der Frage auf, ob die Reise nicht sehr beschwerlich gewesen wäre.

Mit hellem Lächeln, das wie ein Glöckchen klang, erwiderte Minna: „Ich bin nicht sehr empfindlich gegen Kälte, und die Bahn war gut geheizt.“

Jetzt wagte Walter sie unauffällig zu mustern, und was er sah, gefiel ihm sehr. Eine zierliche Gestalt mit angenehm gerundeten Formen, ein feingeschnittenes Gesicht mit sanften, aber munteren, braunen Augen, und ein überreiches Haar von der Farbe reifer Kastanien, mit einem goldigen Schimmer. Eine Ähnlichkeit zwischen Bruder und Schwester war nicht zu erkennen. Selbst wenn man in Betracht zog, daß die junge Dame weitaus jünger war als der Gutsherr und höchstens zwanzig Lenze zählen konnte.

„Ihr Freund hat uns auf dem Bahnhof schon von der Brandstiftung erzählt“, fuhr Minna fort. „Sie haben ja eine Heldentat vollbracht.“

„Zwei“, warf der Gutsherr trocken ein.

Unwillkürlich errötete Walter. „Wie meinen Sie, Herr Braun?“