„Das geschieht bereits. Der Kämmerer und der Schweizer sind jetzt schon draußen; nachher löse ich sie ab.“

„Und dann komme ich an die Reihe“, rief Walter.

„Ja, ich wollte Sie darum bitten. Wenn Sie von eins bis zwei die Wache übernehmen wollen.“

„Ich werde pünktlich zur Stelle sein.“

„Aber, Friedrich, glaubst du wirklich, daß der Brandstifter sich noch einmal hertrauen wird?“ fragte die Schwester.

„Ich traue dem Burschen alles zu.“

Walter stellte seinen Wecker und warf sich in Kleidern auf die Liege. Die Gedanken bekrochen ihn und ließen ihn nicht einschlafen. Wenn jetzt die Schuld auf ihm lasten würde, daß sein Lehrherr am Bettelstab dastände, und wenn es dem Verbrecher gelingen würde, nochmals Feuer anzulegen! Nicht auszudenken! Er nahm sich vor, von eins bis morgens Wache zu gehen. Und dann beschäftigten sich seine Gedanken mit dem lieblichen Mädchen, das heute wie ein guter Geist in das Haus eingezogen war.

Welcher Liebreiz ging von ihrer zierlichen Elfengestalt, von ihrem freundlichen Gesicht und ihren lieben Augen aus! Wo war sie bisher gewesen, was hatte sie bisher geschafft? Die Geschwister waren in Äußerungen über ihr Leben so zurückhaltend. Von seinem Lehrherrn wußte er nichts, und von Kolbe, der seine langen Ohren überall hatte, nur soviel, daß er als Sohn eines einfachen Gutskämmerers aufgewachsen, sich als Arbeiter und dann als Schachtmeister bei Tiefbauten ein kleines Vermögen erworben und dafür Nonnenhof mit geringer Anzahlung gekauft hatte. Wie kam es, daß die Schwester soviel jünger war als er, so jung ... so schön ... dann verwirrten sich seine Gedanken, und er schlief ein.

Pünktlich um ein Uhr löste er seinen Chef ab, der eben mit dem Hofhund einen Rundgang um das Gehöft gemacht hatte. Die Nacht war sternenklar und bitterkalt, aber windstill. Die ganze Natur schien in Kälte und Schweigen erstarrt zu sein. Und wie die Sterne funkelten! Ab und zu kam aus weiter Ferne ein Hundeblaff. Endlos dehnten sich die Stunden für Walter, aber er hielt durch. Als der Himmel sich im Osten rötete und das Leben im Hofe erwachte, lief er zur Küche, aus deren Fenster schon Licht strahlte.

Er war bis ins innerste Mark durchfroren und hoffte durch einen Trunk heißen Kaffees seine Lebensgeister erfrischen zu können. Zu seinem Erstaunen fand er nicht die Mamsell, wie er erwartet hatte, sondern Fräulein Minna.