Dann schritt sie leicht die Treppe empor und begrüßte durch Kuß und Umarmung die Frau des Hauses. „Herzlich willkommen, Heide .... Du trägst den Namen mit Recht, denn du siehst wie ein Heideröslein aus.“
Hinter ihr erklang der Baß ihres Mannes mit dröhnendem Lachen. „Ich würde den Vergleich mit einer anderen, stolzeren Rosenart passender finden. Seien Sie mir gegrüßt, verehrtes Fräulein.“ Der Riese beugte sich ritterlich über ihre Hand. „Seien Sie auch mir herzlich willkommen. Sie bringen wieder etwas Großstadtluft in unsere ländliche Einsamkeit .... Wie war die Reise?“
„Gut, bis auf den Aufenthalt in Allenstein, wo ich den D-Zug verlassen und den Personenzug erwarten mußte.“
Dann schloß sich hinter ihnen die Tür. Wie im Traum wanderte Franz zum Beamtenhaus. Jedes Wort, das sie zu ihm gesprochen, klang in ihm wieder, jeden Blick, den sie ihm geschenkt, fühlte er noch einmal. Den feinen Duft, der von ihr ausging, glaubte er noch zu spüren ....
11. Kapitel
Vor Tisch stellte Frau Olga ihrer Freundin Herrn von Sawerski vor, der sich sehr elegant angezogen hatte. Er war ein hübscher, stattlicher Mann, und trug abweichend von der Mode einen gehörigen Wischer mit buschigen Enden unter der Nase. Nur seine Augen ließen die Frische vermissen, sie sahen immer so gleichgültig, ja blasiert aus und gaben dem Gesicht etwas Gelangweiltes. Bei der Vorstellung blitzten sie auf, aber der Blick war so ungezogen, daß Adelheid sich ärgerte und in die leise Neigung ihres Kopfes eine deutliche Abweisung legte, die ihrer Freundin nicht entging.
„Ich muß Ihnen schon irgendwo begegnet sein, gnädiges Fräulein“, begann Viktor von Sawerski das Gespräch. „Ich kann mich nur nicht besinnen, wo das gewesen sein kann. Aber lange ist es noch nicht her. Vielleicht können gnädiges Fräulein mir auf die Spur helfen.“
Adelheid zuckte leicht die Achseln. „Ich kann mich wirklich nicht entsinnen.“ Und im nächsten Augenblick wandte sie sich an den Hausherrn. „Was haben Sie heute auf dem Felde geschafft, Herr Oberamtmann?“
„Eine sehr prosaische Beschäftigung, aber nützlich für den Landwirt. Ich ließ Dünger fahren und streuen.“
„Müssen Sie denn das persönlich überwachen?“