„O nein, mein Fräulein, das hat Herr von Sawerski besorgt. Ich habe mich nur überzeugt, daß der Dünger richtig gestreut wird.“
Er verzog keine Miene dabei, aber er sah mit Vergnügen, wie sein Volontär errötete und sich auf die Unterlippe biß. Adelheid sprudelte während des Essens von froher Laune, aber sie ließ Herrn von Sawerski so völlig links liegen, daß die Ehegatten es merkten und sich darüber durch einen Blick verständigten. Das war der Grund, weshalb Frau Olga ihre Freundin in ihr Zimmer begleitete und sie fragte, ob ihr die Person des Volontärs durch irgendeinen Anlaß unangenehm wäre.
„Ja, liebe Olga, das ist in der Tat der Fall. Wenn der junge Mann sich noch deutlich an unser Zusammentreffen erinnerte, hätte er es wohl vorgezogen, darüber zu schweigen.“
„Darf ich es erfahren?“
„Weshalb nicht. Ich saß vor einigen Wochen nach dem Theater mit einem befreundeten Ehepaar in einem Restaurant Unter den Linden, als Herr von Sawerski mit noch einem Herrn, anscheinend einem Kameraden, aber beide in Zivil, das Lokal betrat. Sie waren in Begleitung zweier Damen der Halbwelt und ließen sich am Nebentisch nieder. Sawerski musterte mich mit frechem Blick und machte dann eine Bemerkung zu seiner Begleiterin, worauf sie mich auch musterte.“
„Das war in der Tat eine sehr unangenehme Erinnerung.“
„Ja, Liebste, aber die Strafe folgte auf dem Fuße. Der Kellner nahm ihre Bestellung entgegen, brachte jedoch nicht das Verlangte, sondern legte den Herren eine gedruckte Karte vor, worin sie zum Verlassen des Lokals aufgefordert wurden. Ich befürchtete, eine unangenehme Szene zu erleben. Jedoch die Herren benahmen sich, obwohl sie angezecht waren, ganz vernünftig, standen auf und gingen weg. Selbstverständlich wünsche ich nicht, daß dein Mann Herrn von Sawerski darüber aufklärt, wo und unter welchen Umständen er mich schon gesehen hat. Sollte es ihm sein Gedächtnis sagen, dann wird er wohl selbst wissen, was er zu tun hat.“
Das war in der Tat der Fall. Viktor von Sawerski hatte sich stundenlang mit der Erinnerung gequält, bis es wie ein Blitz in ihm aufschoß. Er suchte und fand abends Gelegenheit, Adelheid einen Augenblick allein zu sprechen. „Gnädiges Fräulein, ich bin untröstlich, daß Sie an unser erstes Zusammentreffen eine solche unangenehme Erinnerung mitgenommen haben. Ich habe mich, wie ich annehmen muß, nicht ganz korrekt benommen ....“
Mit einem eisigen Blick erwiderte Adelheid: „Ich kann mich wirklich nicht besinnen, Herr von Sawerski. Es tut mir leid, wenn die Erinnerung für Sie unangenehm ist.“
Damit ließ sie ihn stehen und ging weg. Am nächsten Morgen brachte ihr das Mädchen einen Brief von Viktor, worin er sie reumütig um Verzeihung bat, wenn er sie, wie ihm sein Gedächtnis sage, durch einen ungezogenen Blick beleidigt habe. Er sei in eine lustige Gesellschaft von Kameraden geraten. Schließlich seien die beiden Personen an ihm und seinem Freunde hängen geblieben.