Lächelnd zeigte Adelheid den Brief ihrer Freundin. „Ich weiß ja, daß junge Offiziere nicht das Leben von Wüstenheiligen führen, aber ...“

„Für den Blick bittet er dich ja um Verzeihung. Und ich meine, du brauchst dich nicht unversöhnlich zu zeigen. Er ist wirklich kein übler Mensch und führt hier auf dem Gut einen exemplarisch musterhaften Lebenswandel. Darf ich mal offen sprechen, liebe Adelheid?“

„Ich bitte darum.“

„Nun also: Sawerski besitzt ein ansehnliches Vermögen und wird in Jahr und Tag sich ein Gut kaufen. Das allein weist schon auf einen guten Untergrund in seinem Charakter hin, daß er nicht das behäbige Leben eines Reiteroffiziers fortsetzt, sondern sich einen Beruf gewählt hat, der, wie du gestern mittag von meinem Mann gehört hast, nicht mit Rosen bestreut ist.“

Adelheid lachte laut auf. „Und was ist deiner Rede kurzer Sinn?“

„Daß es nicht ausgeschlossen ist, daß Sawerski für dich Interesse gewinnt. Ganz gleichgültig bist du ihm schon jetzt nicht. Aber wenn er etwas praktisch veranlagt ist, muß er Bedenken tragen, sich dir zu nähern und, offen herausgesagt, sich um dich ernstlich zu bewerben.“

„Ach, du Gute, denkst du wirklich daran? Und welche Bedenken sollte der junge Mann gegen meine Person haben?“

„Nimm es mir nicht übel, liebe Adelheid, — weil du das Leben einer Orchidee führst, die nur blüht, mit ihrer Schönheit prangt und ihre Düfte versendet. Es war auch nicht praktisch, daß du bei Tisch von deinem alljährlichen Aufenthalt in Baden-Baden, Ostende und ähnlichen Orten erzähltest und dabei die Grafen und Barone aufmarschieren ließest, mit denen du verkehrt hast. Das hat ihm, wie ich zu bemerken glaubte, nicht gefallen.“

Etwas empfindlich erwiderte Adelheid: „Möchtest du mir nicht gleich auch das Rezept verschaffen, wie ich dem jungen Mann gefallen könnte?“

Ohne auf ihre Empfindlichkeit zu achten, erwiderte Frau Olga: „Gern ... du brauchst nur etwas Interesse für die Pflichten einer Gutsfrau zu zeigen. Glaube mir, auch auf einem solchen Gut wie das unsrige es ist, muß die Hausfrau auf vielen Stellen nach dem Rechten sehen. Und das kann Sawerski mit Recht auch von seiner Gattin verlangen. Und nimm noch einen Rat von mir: Kleide dich etwas einfacher. Du kannst hier auf dem Lande deine kostbaren Toiletten schonen.“