Adelheid hatte sich in einen Sessel niedergelassen und den Kopf in die Hand gestützt. „Mit einem Wort: Ich soll auf Herrn von Sawerski mit allen Mitteln Jagd machen!“
„Ach, Adelheid, wozu die scharfen Worte! Nein, du sollst, vorausgesetzt, daß er dir nicht gleichgültig oder unsympathisch bleibt, ihm die Annäherung etwas erleichtern. Ich denke doch, daß unsere Freundschaft eine solche Aussprache erfordert. Es ist wohl das beste und auch hohe Zeit, daß du unter die Haube kommst.“
Bitter lächelnd erwiderte Adelheid: „Ich warte ja schon beinahe zehn Jahre darauf ... wenn nur einer käme und mich nähme.“
„Dann muß ich dir noch sagen, daß du einen falschen Weg zu deinem Ziel eingeschlagen hast. Auf diesem Wege wirst du nie einen ernsthaften Bewerber finden. Die Kreise, in denen du bisher verkehrt hast, umflattern und umschmeicheln dich, weil du sie durch deine Person und dein Wesen reizt. Aber meinst du, daß ein Graf oder ein Baron dich ohne Vermögen nehmen wird? Selbst ein Großkaufmann oder ein hoher Beamter scheut sich, dich in seine Familie einzuführen, wenn er seine Wahl nicht durch ein stattliches Vermögen seiner Braut begründen kann. Du mußt schon ein Stufchen heruntersteigen und dich nach einem Landwirt umsehen ....“
Als die Freundin beharrlich schwieg, fuhr Frau Olga eindringlich fort: „Nun, sag mir mal offen, wie lange bist du noch imstande, dein bisheriges Leben fortzuführen?“
„Es langt noch für zwei Jahre ...“
„Und dann?“
„Dann nehme ich eine Stelle als Gesellschafterin bei einer alten Dame an oder werde Hausdame bei einem älteren Herrn.“ Nachdenklich fügte sie nach einer Weile hinzu: „Vielleicht täte ich gut daran, mich jetzt schon nach einer solchen Stelle für den nächsten Winter umzusehen.“
„Hältst du eine solche Stelle für beneidenswert?“
„Nein, liebste Olga, durchaus nicht.“ Sie lachte laut auf. „Also denn auf zur Jagd! Zum Kaffee erscheine ich schon als züchtige Jungfrau im schlichten Kleid .... Vielleicht kannst du mir mit einem passenden Tändelschürzchen aushelfen?“