Jetzt kam auch Franz, wenn er nicht unhöflich erscheinen wollte, an die Reihe. Er gab sich innerlich einen Ruck und verbeugte sich vor Adelheid. Seine Pulse hämmerten. Als sie sich in seinen Arm schmiegte, drohte ihn die Beherrschung zu verlassen, so daß er nicht gleich in den richtigen Takt kam. Aber dann riß er sich zusammen und tanzte. Der feine Duft, der von ihr ausging, berauschte ihn. Und leicht und weich wie eine Feder lag sie in seinem Arm. Es war ihm, als wenn er nicht mit den Füßen auf der Erde sprang, sondern mit ihr durch die Luft empor und davon flog.

Er erwachte erst aus seinem Rausch, als sie leise sagte: „Ich danke.“ Und mit einem strahlenden Blick fügte sie hinzu: „Sie tanzen gut.“

Als er auf seinen Platz zurückkehrte, flüsterte ihm Kolbe zu: „Mensch, sechsmal haben Sie mit ihr rumgewalzt. Mit uns beiden hat sie nur drei Runden gemacht.“

„Ich habe die Runden nicht gezählt“, erwiderte Franz. „Ich glaube, man darf mit einer Dame solange tanzen, bis sie dankt.“

„Nun werden Sie sich wohl wieder etwas darauf einbilden, daß sie bei mir schon nach drei Runden gedankt hat.“

Beim nächsten Tanz verkündete der Kämmerer, der in der Mitte als Ordner stand, mit mächtiger Stimme: „Damenwahl!“. Mit etwas Unbehagen sah Frau Olga, wie das hübsche, junge Stubenmädchen auf Viktor zueilte und ihn durch einen Knix zum Tanz aufforderte. Auch Hans Kolbe wurde sofort von einem Scharwerksmädchen geholt. Da stand Adelheid auf und bat Franz durch eine Neigung des Kopfes. Er trat schnell an sie heran und legte den Arm um sie. Von diesem Augenblick an wußte er nicht mehr, was um ihn her vorging. Er sah und fühlte nur die schöne Frau, die ihn geschickt mit leisem Druck durch das Gewühl der Tanzenden führte.

Als Adelheid auf ihren Platz zurückkehrte, beugte sich Frau Olga zu ihr und flüsterte ihr zu: „Du, verdreh’ dem Jungen nicht den Kopf.“

Lachend gab sie zur Antwort: „Hältst du das für möglich? Ich glaube, er ist viel zu vernünftig dazu.“

Auch Viktor hatte es mit Mißbehagen beobachtet, daß Franz bei der Damenwahl von Adelheid aufgefordert worden war. Er tröstete sich jedoch in Gedanken damit, daß er nicht frei gewesen war, weil die kleine hübsche Kröte von Stubenmädchen ihn so fix geholt hatte. Als jedoch Adelheid keine Miene machte, ihn zu holen, obwohl der Tanz noch ziemlich lange dauerte, beschlich ihn ein Gefühl, das nicht sehr weit von Eifersucht entfernt war. Er nahm sich vor, bei den nächsten Tänzen Adelheid eifrig zu umwerben und ihr ganz offen die Cour zu schneiden. Doch dazu kam es nicht. Denn bald darauf brach die Gutsherrin auf und nahm ihre Freundin mit sich.

Da blieb er in einem Gefühl von Trotz auf dem Fest und tanzte noch so oft mit der „kleinen Kröte von Stubenmädel“, daß es den Neid aller anderen erregte. Der Oberamtmann, der mit den Herren noch sitzen blieb, bemerkte es auch und erzählte es noch in der Nacht lachend seiner Gattin.