„Ich glaube nein.“

„So? Na, weshalb hältst du deine Liebe für hoffnungslos?“

Ganz verblüfft sah Franz ihn an. „Aber Onkel, willst du mit mir scherzen?“

„Das fällt mir gar nicht ein. Ich frage allen Ernstes, weshalb du denn nicht ehrlich um ihre Liebe werben willst? Schreckt dich der Unterschied der Jahre? Der gleicht sich mit der Zeit aus. Vielleicht ist deine Jugend in ihren Augen kein Hindernis.“

„Onkel, meinst du das wirklich? Aber nein, es geht nicht. Ich werde erst in zwei Jahren mündig. Und was kann ich ihr bieten? Einen Bauernhof.“

Das Gesicht des alten Herrn hatte sich wieder aufgehellt. Er zwinkerte mit den Augen. „Na, unter Umständen könnte sie auch Gutsherrin werden. Dein Vater, mein Junge, steht gut in der Wehr. Er wäre imstande, dir ein anständiges Gut zu kaufen oder dir das Geld zu einer großen Pachtung zu geben. Meine paar Kröten bekämst du auch mal nach unserem Tode.“

„Ach Onkel, wie soll ich dir für all deine Liebe und Güte danken! Du gibst mir wieder neuen Lebensmut. Aber nein ... sie wird mich auslachen. Sie lebt in der großen Welt, verkehrt wie eine Prinzessin mit Fürsten und Grafen und soll mich unreifen Bauernjungen wählen? Nein, Onkel, das ist undenkbar. Ich glaube, sie wird auch den Herrn von Sawerski nicht nehmen. Nein, Onkel, es ist ja sehr freundlich von dir, daß du mich nicht wie einen dummen Jungen auslachst, sondern mir sogar Mut machst, aber die Hoffnung wollen wir doch fahren lassen. Nein, Onkel, du mußt mir raten, wie ich diese Leidenschaft überwinde. Sonst werde ich wahnsinnig oder tue mir ein Leid an.“

Diesmal erschrak der Pfarrer noch stärker vor dem Ausbruch dieser Gefühle. „Ist sie denn so schön?“

„Schön,“ rief Franz überschwenglich, „das ist gar kein Ausdruck für sie.“ Und nun begann er zu schwärmen und schwelgte förmlich in den höchsten Tönen der Bewunderung, die ihm sein Gefühl eingab. Und zum Schluß warf er sich dem alten Freund an die Brust und begann fassungslos zu schluchzen. Sanft führte ihn der alte Herr zur Gartenbank und setzte sich neben ihn.

„Du hast mir vorhin erzählt, daß die junge Dame in der großen Welt lebt und sich in den höchsten Kreisen bewegt. Da wundert es mich doch, daß sich bis jetzt kein Mann gefunden hat für sie, wenn sie so wunderbar schön ist.“