Walter kam gerade vom Speicher, als ein Arbeiter mit verstörtem Gesicht auf den Hof stürmte.

„Was ist los?“

„Ach Gott, Herr Walter, der Herr ist tot!“

Fassungslos faßte Walter den Mann an. „Was sagen Sie? Mensch, das ist nicht wahr!“

„Ja, ja, es ist schon wahr, ein Sprengstück hat ihn an den Kopf getroffen.“

Schnell ließ Walter zwei Wagen anspannen. Der eine sollte den Toten hereinholen, der andere nach der Stadt zum Arzt fahren. Er ging währenddessen ins Haus, um den Arzt durch den Fernsprecher anzurufen. Die Tür zur Küche stand offen, Minna schäfferte am Herd und sang dabei: „Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht“. Er mußte die Zähne zusammenbeißen, um nicht vor Schmerz laut aufzuschreien. Ahnungslos, welch einen Schlag das Schicksal bereits nach ihr geführt hatte, sang das lebensfrohe Mädchen, und draußen, nur wenige hundert Schritte entfernt, lag der Bruder tot, an dem sie wie ein Vater hing, der Mann, der ihre Stütze und Stab war. Eben hatte Walter die Verbindung mit dem Arzt bekommen, als Minna ihm nachkam und ins Zimmer trat. Er nahm alle seine Kraft zusammen und sagte dem Arzt, er habe eben einen Wagen nach ihm geschickt. Er möchte sofort herauskommen, ein Mann sei beim Steinsprengen verwundet worden.

„Ach, Walter, das ist doch entsetzlich, wer ist es denn?“

Da sah sie in sein schreckenbleiches Gesicht und wußte alles.

„Friedrich!“, schrie sie auf. Die Hände sanken ihr schlaff herab, ein jämmerliches Stöhnen rang sich aus ihrer Brust. Sie wäre umgefallen, wenn Walter sie nicht umgefaßt und zum Stuhle geleitet hätte. Hilflos legte sie ihren Kopf an seine Brust, als wollte sie dort Schutz suchen gegen das grausame Leben und den noch grausameren Tod.

„Fräulein Minna, fassen Sie sich“, bat er leise. „Minna, es ist doch noch nicht gesagt, daß Friedrich tot ist.“