Eine tiefe Röte stieg in ihrem Gesicht empor. Aber sie sah den Mann, der unter so seltsamen Umständen um sie warb, freundlich mit ihren lieben Augen an und reichte ihm die Hand.

„Ich vertraue Ihnen, Walter.“

Mit starkem Druck fügten sich ihre Hände für eine Minute zusammen. Ihre Blicke senkten sich ineinander. Das war ihr Verlöbnis.

Am Abend des nächsten Tages kamen die Geschwister des Verstorbenen, schlichte, biedere Menschen. Walter besprach mit ihnen, daß er das Gut zu einem angemessenen Tagespreis übernehmen und Minna heiraten wolle. Sie waren einverstanden, und auch damit, daß der Oberamtmann die Schätzung vornehmen sollte.

Am Tage nach dem Begräbnis stand Walter noch ein schwerer Weg bevor. Er fuhr zu seiner Mutter. Sie nahm seine Mitteilung nicht unfreundlich, aber mit einer Gleichgültigkeit auf, die ihn verletzte. Zögernd nur brachte er seine Bitte vor, Minna für die paar Monate bis zur Hochzeit bei sich aufnehmen zu wollen.

„Ich habe mit meinem eigenen Schmerz noch gerade genug zu tun“, erwiderte sie ausweichend. „Mich stört es, daß das junge Mädchen am offenen Grabe ihres Bruders an Verlobung und Hochzeit denken konnte.“

„Mutter!“, rief Walter. „Das traurige Ereignis drängte mich zu einem schnellen Entschluß. Ich liebe Minna und wollte sie nicht unter fremde Leute gehen lassen. Sie wird dir eine liebe Tochter werden, wenn du sie erst näher kennenlernst. Sie wird dir auch eine Stütze sein und dir die Arbeit des Umzugs abnehmen.“

„Du brauchst mich nicht damit zu locken,“ erwiderte jetzt die Mutter, „es ist selbstverständlich, daß ich die Braut meines Sohnes an mein Herz nehme. Wann bringst du sie mir?“

„Übermorgen, wenn wir mit den Geschwistern den Vertrag abgeschlossen haben.“

15. Kapitel