Adelheid begann in ihrem Eifer für die Wirtschaft nachzulassen. Sie war der Meinung, daß sie davon schon genug gelernt hätte. Sie betätigte sich nur noch beim Kochen, das ihr Vergnügen bereitete. Sie saß jetzt wieder stundenlang am Klavier, spielte und sang. Gegen Abend ging sie in den Park spazieren. Sie hatte ein Plätzchen gefunden, wo sie mit Vorliebe saß und beim Genuß einer Zigarette träumte.

Und das Plätzchen war dazu wie geschaffen. Von einer niedrigen Rasenbank sah man durch eine Lichtung des Parkes weit ins Land hinaus. Tief unten im Tal leuchtete die stille Oberfläche des Sees, auf der sich alle Farben des Abendhimmels widerspiegelten. Auf dem anderen Ufer stieg ein Berg hoch auf, der auf seinem breiten Rücken tiefdunkle Fichten und Kiefern trug. Dicht davor lag einsam ein Gehöft. Beim Dunkelwerden erhellte sich ein Fenster, dessen Schimmer wie ein schmales goldenes Band auf dem Seespiegel lag .... Gedämpft erklang das unermüdliche Schnarren der Rohrsänger und das Schmettern der wilden Enten herüber. Sanft strich der Abendwind durch die Kronen der uralten Eichen und Buchen, die das Plätzchen umgaben, und ließ sie flüstern und seufzen.

Viktor hatte allmählich Interesse für den schönen Gast seiner Gutsherrin gefaßt und begann, es zu bekunden. Vorsichtigerweise hatte er sich bei Frau Olga mit der Bitte strengster Verschwiegenheit danach erkundigt, ob ihre Freundin nicht etwa gebunden sei.

„Ich glaube, Ihnen mit Bestimmtheit versichern zu können,“ hatte sie erwidert, „daß Herz und Hand meiner Freundin noch völlig frei sind.“

„Und glauben Sie, gnädige Frau, daß ich mit einiger Hoffnung auf Erfolg mich um das gnädige Fräulein bewerben könnte?“

Mit feinem Lächeln erwiderte Frau Olga: „Aber, Herr Oberleutnant, haben Sie so wenig Selbstbewußtsein?“

Etwas verlegen gab Viktor zur Antwort: „Ich wollte eigentlich fragen, ob sich das gnädige Fräulein zu einem dauernden Landaufenthalt, zu dem Leben einer Gutsfrau wird entschließen können?“

Frau Olga lächelte. „Das kann ich Ihnen nicht sagen. Das müssen Sie schon bei geeigneter Gelegenheit von ihr selbst zu erfahren suchen. Aber ich halte ihr bei uns erwachtes Interesse für die Wirtschaft und ihre eifrigen Kochstudien für ein gutes Zeichen, das Sie vielleicht sogar auf Ihre Person zurückführen dürfen.“

„Meinen herzlichen Dank, gnädige Frau.“ Seitdem begann Viktor, Adelheid den Hof zu machen.

Frau Olga hatte das Gespräch natürlich sofort ihrer Freundin erzählt und die Mahnung hinzugefügt, dem Bewerber unauffällig entgegenzukommen. Adelheid nahm die Mitteilung schweigend entgegen und gab durch nichts zu erkennen, ob sie ihr willkommen war oder nicht.