Endlich gewann sie die Herrschaft über ihren Willen zurück und richtete sich auf. „Franz, Sie sind ein großes Kind. Wie können Sie mich so überfallen und beleidigen?“

Wieder sank er vor ihr auf die Knie und küßte ihre Hände, die sie ihm überließ. „Können Sie mir verzeihen? Ich war von Sinnen ... meine Liebe raubt mir den Verstand.“

Sie lächelte und legte ihm eine Hand auf sein lockiges Haar. „Das ist auch die einzige Entschuldigung für Sie ... und für mich“, fügte sie leiser hinzu. „Aber nun stehen Sie auf und setzen Sie sich ruhig neben mich. Sie werden jetzt ganz brav sein, nicht wahr?“ ...

„Ja, gnädiges Fräulein, ich bitte nochmals um Verzeihung.“

„Denken Sie nur, wenn jemand uns dabei belauscht hätte ... oder wenn ich laut um Hilfe gerufen hätte ... Ich habe nur Ihretwegen mir stillschweigend Ihre wahnsinnigen Gefühlsausbrüche gefallen lassen. Und ich werde auch weiter darüber schweigen. Sonst müßten Sie unweigerlich aus dem Hause. Sehen Sie das ein?“

„Ja, Fräulein Adelheid, ich bereue tief, was ich getan habe ... aber ... können Sie mich wirklich nicht ein bißchen lieb haben? Ich bin ja soviel jünger als sie, aber ich kann Ihnen dasselbe bieten wie Herr von Sawerski. Und ich würde Sie auf den Händen tragen ....“

Sie lächelte. „Sie haben recht, mein Junge, mich an mein Alter zu erinnern. Ich bin 28 Jahre. In zehn Jahren bin ich eine verblühte Frau ...“

„Ich werde in Ihnen stets das schönste Wesen sehen, das es auf der Erde gibt.“

„Das sagen Sie so in dem jugendlichen Überschwang Ihrer Gefühle. Nein, Franz, ich muß für uns beide vernünftig sein. Ich kann Ihren Wunsch nicht erfüllen, selbst wenn ich mich in Sie verlieben würde, was nicht der Fall ist. Sie sind ein lieber, prächtiger Mensch, und die Tatsache, daß Sie mir Ihr Herz geschenkt haben, wird mir stets eine liebe Erinnerung bleiben. Sie müssen und werden das überwinden. Und nach Jahr und Tag werden Sie ein reines Mädchen finden, das Ihr Herz mit neuer Liebe erfüllen wird. Ich habe mich schon lange mit dem Gedanken getragen, abzureisen. Jetzt ist es für mich zur Notwendigkeit geworden. Ich reise morgen weg ....“

Mit einem verzweifelten, ganz entstellten Gesicht, rief Franz aus: „Sie wollen morgen abreisen? Das ertrag’ ich nicht ....“