„Wat mött, dat mött. Du wirst eins auf die Nase kriegen. Hoffentlich wird der Schlag stark genug sein, um dich zur Besinnung zu bringen. Was zieht dich noch hinter dem Weib her?“
Franz ließ sich auf die Bank fallen, senkte den Kopf und schlug die Hände vors Gesicht. „Onkel,“ stöhnte er, „ich habe sie ja in meinen Armen gehalten ... ich habe sie geküßt ... und sie hat in meinen Armen gezittert ....“
„Das fehlte bloß noch“, grollte der alte Herr heftig.
„Jetzt schreit meine Seele nach ihr Tag und Nacht ... ich habe keine Freude am Leben, keine Lust, weiter zu leben.“ Franz hob den Kopf und streckte die Hände nach dem Onkel aus. „Hilf mir doch, Onkel, von diesen Gedanken los zu kommen, dieser entsetzlichen Pein zu entrinnen.“
In tiefer Bewegung umfaßte der Pastor seinen Kopf. Seine Stimme zitterte: „Junge, Freund, was verlangst du von mir? Ja, ich wüßte allerdings ein Mittel, das über das Schwerste hinweghelfen könnte, aber ich wage nicht, es dir anzuraten.“
„Onkel,“ erwiderte Franz leise, aber fest, „meine Liebe ist rein und heilig. Es gibt auf der Welt kein anderes Weib für mich, das ich auch nur ansehen könnte.“
„Ja, mein Junge, ich weiß. Du bist ein anständiger, braver Bursch geblieben, der seine Jugendkraft nicht vergeudet hat. Was dein höchster Ehrentitel sein sollte, wird dir zum Unglück. Du verdienst keine Vorwürfe, sondern mein Mitleid. Aber nun raff dich auf. Du mußt ein Ende machen. Hörst du, du mußt, sonst zerstörst du freventlich dein Leben.“
Franz löste sich aus seinem Arm. „Jawohl, Onkel. Das will ich. Aber erst muß ich sie noch einmal sehen und sprechen. Ich muß aus ihrem eigenen Munde hören, daß ich ihr gar nichts bedeute.“
„Und wenn sie dich wieder betört und mit dir spielt?“
„Dann, Onkel, dann bin ich ihr verfallen mit Leib und Seele, für Zeit und Ewigkeit.“ ... Nach einer Weile fuhr er ruhiger fort: „Du sagst eben: wieder betört. Das muß ich richtigstellen. Sie hat mir nicht die geringste Veranlassung gegeben. Ich stammelte meine Liebeserklärung, ich umfaßte sie in maßloser Leidenschaft, ich küßte sie wie rasend. Die Überraschung, der Schreck lähmten sie. Aber dann hat sie mir das Unsinnige meiner Liebe vorgehalten.“ ...