„So, das freut mich, zu hören. Dadurch bekommt das Fräulein in meinen Augen eine ganz andere Gestalt. Und du brauchst ihr nicht mehr nachzureisen. Du hast ja doch schon dein Urteil empfangen.“

„Onkel, ich muß .... In einem Winkel meines Herzens lebt noch eine winzige Hoffnung.“ ...

„Wie ist das möglich?“

„Ich will dir auch das noch gestehen, Onkel. Beim Abschied ließ sie sich von mir ohne Widerstand in die Arme nehmen und küssen. Es war nur ein ganz kurzer Augenblick, aber es war doch ...“

„Mitleid, mein Junge, weiter nichts. Vielleicht auch eine kleine Schwäche, die sich manchmal bei jungen Damen reiferen Alters einstellen soll. Ich will nichts gesagt haben, nicht mal angedeutet. Und nun zum Abschied: Was hast du zu allererst zu tun?“

„Ich werde dem Vater alles gestehen. Leb wohl, Onkel. Du erhältst bald Nachricht von mir.“

Es war für beide eine sehr ernste Stunde, als Franz dem Vater beichtete. Vater Rosumek war kein Seelenkenner. Er war in seinem Leben stets die „Chausseen der Liebe“ gewandert, und konnte es nicht begreifen, wie ein junger Mensch sein Herz an ein viel älteres Mädchen hängen und so völlig außer Rand und Band geraten konnte. „Ja, wenn du dich in ein junges Ding verknallst hättest und wärest zu mir gekommen: ‚Vater, ich muß sie heiraten‘, dann hätte ich das begriffen. Aber wenn Onkel Uwis das billigt, dann fahr ihr in Gottes Namen nach. Auf die paar Mark soll es mir nicht ankommen. Und nu schenk mir mal ganz reinen Wein ein. Es ist nicht bloß das Studium, das dich nach Berlin zieht.“

„Nein, Vater, ich dachte, sie dort zu treffen.“

„Na, dann gebe ich die Hoffnung nicht auf, aus dir noch einen Landwirt zu machen. Und da möchte ich dir den Vorschlag machen, jetzt dein Jahr abzudienen. Je eher du es hinter dir hast, desto besser. Aber nicht bei der Kavallerie. Ich möchte es dir ja gönnen, aber das Geld, das du dort ausgibst, wirst du später besser gebrauchen können.“

Mit viel leichterem Herzen, als er gekommen war, fuhr Franz nach Polommen ab. Bis zum 15. September wollte er dort bleiben, dann noch einen Tag oder zwei nach Hause, ehe er ins Reich fuhr.