„O doch, sie setzt eben den Hut auf. Sie wird wohl gleich mit dem Lift herunterkommen. Wenn Sie dort Platz nehmen wollen.“

Eine Viertelstunde später trat Adelheid aus dem Fahrstuhl. Sie war ganz einfach in Weiß gekleidet und trug ein Rakett in der Hand. Franz sprang auf und trat auf sie zu. Sie maß ihn mit einem kalt abweisenden Blick von oben bis unten. „Was wünschen Sie von mir?“

„Ich wollte Sie sprechen“, stammelte Franz.

„Bedauere sehr, ich bitte, mich nicht zu belästigen. Ich teile keine Almosen aus.“

Verwirrt trat Franz zurück und gab ihr den Weg frei. Ohne ihn anzusehen, ging sie schnell an ihm vorbei.

„Aus“, wiederholte Franz leise. „Sie teilt keine Almosen aus. Na, nun weiß ich, woran ich bin.“

Er konnte sich später nicht mehr erinnern, wie er den Weg in sein Hotel zurückgefunden hatte. Erst als er sich eine Flasche Rotwein bestellte und der schwere Wein zu wirken begann, kam er zu sich. Ihm war zu Mut, als wenn die Begegnung mit Adelheid schon Wochen und Monate hinter ihm lag. „Ich Esel,“ dacht’ er, „hab ich das noch nötig gehabt? Almosen teilt sie nicht aus? Ach, das Wort sollte wohl für mich noch eine besondere Bedeutung haben? War das etwa ein Almosen für mich, daß sie sich zum zweitenmal von mir umfassen und küssen ließ?“

Der Wein munterte ihn immer mehr auf. Er aß gut und reichlich, ging zur Bahn und nahm sich eine Fahrkarte zweiter Klasse nach Berlin. Es war ein greulicher Bummelzug, in den er geraten war. Doch ihm war das gleichgültig. Er lehnte sich in eine Ecke und schlief ein. Als er gegen Abend erwachte und die Gedanken ihn wieder zu bekriechen und zu peinigen begannen, kaufte er sich unterwegs wieder eine Flasche Wein und trank sie aus. Danach schlief er durch bis Berlin. Er nahm sich ein Auto und fuhr zu seinem alten Schulkameraden Sutor, der schon seit einem Jahr als Student in Berlin lebte und sich schlecht und recht durch Stipendien und Stundengeben durchs Leben schlug.

Der Freund erschrak nicht schlecht, als Franz sich vor ihm aufbaute, verschwiemelt, hohläugig ... „Mensch, Franz, wo kommst du her? Wie siehst du aus?“

„Wahrscheinlich ein bißchen mitgenommen von der Extratour, die ich hinter mir habe. Erst von Hause in einem Zug durch bis Baden-Baden; den nächsten Tag wieder hier zurück. Davon setzt man keinen Speck an.“