„Vor allen Dingen mußt du gründlich ausschlafen. Meine Wirtin hat noch ein Zimmer frei.“

„Das habe ich zur Genüge im Zug besorgt. Aber hast du nicht einen dienstbaren Geist, der uns eine Flasche Rotwein oder Kognak holen kann? Wir müssen doch das Wiedersehen gebührend feiern.“

Sutor sah ihn ganz entgeistert an. „Franz, was ist mit dir los? Du bist ja auf der Schule kein Duckmäuser gewesen, aber du hast doch am Morgen keinen Alkohol nötig gehabt.“

„Na, dann nimm an, daß ich ihn jetzt oder wenigstens heute nötig habe.“

„Hast du etwas Schweres durchgemacht, daß du dich so betäuben willst?“

„Frag nicht, alter Sutor! Ich werde es dir vielleicht später erzählen, wenn ich darüber hinweg bin. Heute tu mir den Gefallen. Hier ist Geld. Du willst es selbst holen? Das ist nett von dir. Aber was Gutes, wenn ich bitten darf.“

Bei einem Glas leistete der Student seinem Jugendfreund Gesellschaft. Dann mußte er ins Kolleg. Als er mittags zurückkam, lag Franz sinnlos betrunken auf seinem Bett. Die Flasche Rotwein und ein Drittel des Kognaks waren ausgetrunken.

18. Kapitel

Auf das blanke Nichts war Sutor nach Berlin gefahren. Der Vater hatte ihm zehn Taler gegeben, einige von den Bauern hatten ihm zehn und zwanzig Mark beim Abschied in die Hand gedrückt. Außerdem nahm er ein Dutzend Alberten und einen Kober mit Mundvorrat mit. Damit wollte ihn die Mutter auch weiterhin versorgen.

Daraufhin wagte es der tapfere Junge, der noch keine größere Stadt als die masurischen Kreisstädte gesehen hatte, nach Berlin zu fahren, um ein mehrjähriges Studium zu beginnen. Sein Äußeres wies keine Vorzüge auf, eher das Gegenteil. Er war ein großer, ungelenker Mensch. Sein Gesicht mit den breiten Backenknochen und der niedrigen Stirn konnte auf Schönheit keinen Anspruch machen. Aber er wußte, was er wollte und besaß die geistige und sittliche Energie, es durchzuführen.