Das war eine Radikalkur, aber sie half. Er begann mit besserem Appetit zu essen und erholte sich körperlich. Er wurde auch eifriger im Dienst. Und mit der wiedererwachenden Kraft kam auch der Wille. Er wollte sich zusammennehmen, um wenigstens zum Herbst die Knöpfe zu bekommen. Wie eine Erlösung kam es ihm vor, als er aus der Kaserne entlassen wurde und wieder in seine Wohnung zog. Er verbannte die Kognakflasche und entschädigte Demut für den Ausfall.

Nun fühlte er auch wieder das Bedürfnis, unter Menschen zu gehen. Er suchte eines Abends, der mit seinem milden Sonnenschein ihn und viele andere ins Freie lockte, einen Biergarten auf, der nicht weit von seiner Wohnung lag. Kaum hatte er Platz genommen, als ein frisches, hübsches Mädchen auf ihn zutrat und ihm die Hand bot.

„Herr Franz, wie kommen Sie hierher und in Uniform?“

Er sah auf, und ein freudiger Schreck durchrieselte ihn. Ein warmes Gefühl, wie bei einem Gruß aus der Heimat. „Liese, du auch hier?“ Es war die Tochter des Briefträgers aus seinem Heimatsdorf, die mit ihm zusammen aufgewachsen war, Liese Mrozek ....

„Wie geht es bei euch zu Hause?“

Ihre Augen umflorten sich. „Weißt du nicht? Mein Vater ist doch gestorben, da mußte ich in Stellung gehen. Erst war ich sechs Wochen in Königsberg, dann kam ich hierher.“

„Mädel, du hast aber Courage.“

Sie lachte. „Ein Herr hat mich aus Königsberg mitgenommen und mir hier die Stellung besorgt.“

„Ach so ... na, dann bring mir ein Glas Bier.“

Als sie es brachte und hinstellte, sah er, daß sie sich beleidigt fühlte. „Liese, mach’ doch keine Dummheiten. Ich habe es nicht so gemeint. Was willst du trinken?“