Vergeb’ ich sie Alle — mit Gift.“
„Wohl denn; der Alte hatte sichs heute auf der Reise bei Tisch und Becher gut schmecken lassen, weils ihm nichts kostete; denn bei ihm zu Hause war in der Regel ein verteufelter Schmalhans Küchenmeister.“
„So humpelte er nun mit dem großen Kammerjägerschilde auf dem Rocke und den großen Stock in der Hand, mit seinen podagrischen Beinen langsam auf die Linden zu, wo ihn sein Weg dicht vorbeiführte — da schlug die Glocke in Rosenau Zwölfe an, und kaum hatte der erste Klang die Luft erschüttert, als aus den dichten Lindenzweigen ein Kerl im Armensünderhabit herabsprang und wie ein Plumpsack grade vor Schuldmanns Füße hinstürzte — aber wie ein Stehaufchen war er auch gleich wieder auf den Beinen, und hielt dem alten Rattenfänger seinen Kopf mit der Hand vors Gesicht, als wenn er ihm, wie mit einer Laterne, damit unter die Nase leuchten wollte. — Schuldmann war mehr todt als lebendig vor Schreck, konnte aber, als sey er behext, kein Glied mehr rühren — und schnell sprang jetzt wieder ein andrer aus dem Lindenknäuel herab, und wieder einer, und ehe noch der zweite Glockenschlag erscholl, tanzten schon sechs Paare dicht um ihn her — greuliche, verzerrte Gestalten: die Gehangenen mit heraushängenden Zungen, vorstehenden blutrünstigen Augen und dunkelblauen Gesichtern; die Geköpften, ihre Köpfe in die Höhe schleudernd und wieder auffangend, wie es ehemals bei uns die französischen Tambur Maschors mit ihren Stöcken machten; und zuletzt kam noch ein Geräderter, allein abgesondert, der mit den herumschlotternden, zerbrochnen Knochen, wie ein Hampelmann, den andern vortanzte, wahrscheinlich noch den rothen Nickel zum baldigen Cumpan erwartend. Mit dumpfer und leiser Stimme sangen die Geister dann im Chor:
Schuldmann, Du bist jetzt unser Gast —
Doch fürchte nichts für Deinen Kopf,
Verlieren kannst Du nicht, was Du nicht hast;
Drum lebe hundert voll, Du Tropf!
Doch dann erwarten wir Dich dort
Für so viel gemarterte Ratzen,