Während man nun an meinem Napoleon arbeitet, und ihm einen Kopf macht, in welchem sich ein größerer Raum für Gehirn befindet, als, nach physiologischen Gesetzen, das aller Potentaten der Erde zusammengenommen in natura ausfüllen könnte, würde ich ferner zwei Expeditionen ausrüsten: die eine, um Afrika nach allen Richtungen der Windrose zu durchforschen, die Quellen des Nils, das Gold der Mondgebirge, das fabelhafte Einhorn, wohl gar den Vogel Rock aufzufinden, (es ist vielleicht möglich, daß ich dieser Expedition dennoch eine Compagnie Missionaire und fünfmalhunderttausend Bibeln mitgebe,) die zweite, um Japan zu erobern — wäre es auch nur aus Aerger über diese geschmacklosen Barbaren, welche bloß von den Holländern Besuch annehmen wollen, oder auch aus Neugierde, zu wissen, was sie denn eigentlich für eine Kunst und Weisheit vor den Blicken aller Welt so hermetisch verschließen mögen, daß selbst gescheiterte Schiffsmannschaften an ihren unwirthbaren Küsten sich nicht vom Ertrinken retten dürfen, immer vorausgesetzt, wenn es keine Holländer sind.
Welch ein Mäcen der Geographen, welch ein Besonderer der Wissenschaft im Allgemeinen, wäre ich nun schon geworden, nach glücklicher Vollbringung dieser gemeinnützigen Werke! Aber das Geld — ich fürchte, von dem würden jetzt kaum noch einige elende Millionen mehr übrig seyn. N’importe, der Rest wird dazu angewandt, ein Loch von einer deutschen Meile Tiefe in unsern Nationalsand zu graben, wie es schon Maupertuis Friedrich dem Großen anrieth, und was bis jetzt bekanntlich noch nirgends hat gelingen wollen. Mit dem letzten Thaler ließ ich mich aber selbst hineinwerfen; gewiß, eine grandiose Gruft! Dann läge ich jedenfalls tief genug, um es nicht zu hören, wenn man etwa über mir sagte:.... Nein! ich will dem Leser in nichts vorgreifen, er fülle die Punkte selbst ad libitum aus, ich gebe ihm carte blanche.
Eine Frage.
Bei den Römern war es, wie Appian erzählt, erlaubt, die Triumphatoren zu loben, oder zu verspotten, wie es einem Jeden beliebte; denn frei und zwanglos sollte der Triumph seyn und Jeder aussprechen dürfen, was er darüber denke. Es war die Freiheit der Presse jener Zeiten. Warum sind nun unsre modernen Staatsmänner so kitzlich in diesem Puncte? Fehlt es ihnen an der antiken Gediegenheit jener Römer, oder ist seitdem der Spott gefährlicher geworden?[9]
Zweite Frage.
Warum haben die Deutschen eine solche Zuneigung zum Teufel? Ist es, weil sie wirklich einige Wahlverwandtschaft zu ihm in sich spüren, oder aus dem entgegengesetzten Grunde, weil man sich am meisten nach dem sehnt, was Einem ganz fehlt? — Wenn ich von mir auf Andere schließen darf, so kömmt es vielleicht auch ein wenig daher, daß der Teufel ohne Zweifel von allen Personen der neueren Mythologie die am meisten poetische ist, denn das Poetische ist weltlich, weßhalb auch Milton mehr Glück machte, als Klopstock.
Heute ging ich noch in der Dämmerung im Park spazieren und setzte mich dann beim Schein der Töpferfeuer im Thale, die der Sturm seltsam umherwirbelte, ermüdet auf das Grab des Unbekannten, in Betrachtung der Capelle versunken, wo mich meine eigne Ruhestätte erwartet. Es schwirrten mancherlei Nachtgedanken wie Fledermäuse in meinem Kopfe umher. Unter andern grübelte ich auch über die sonderbare Eigenthümlichkeit der Menschen nach, daß Große und Kleine so viel Werth auf ihr Begräbniß legen, und dennoch die Art desselben durch die verschiedenen Phasen der Menschenbildung so mannigfach schon umgewandelt worden ist.
Da ging der Mond roth und voll über den Zinnen des alten Thurmes auf, und es war, als leuchtete er mir zurück in lang vergangene Jahrhunderte.
Vor meiner Phantasie wichen die irdischen Schranken. Ich ward plötzlich ins graue Alterthum versetzt, blickte rückwärts im magnetischen Schlafe, und sah jetzt, als begäbe sich Alles vor meinen Augen, wie eben einem Barbaren-Häuptling, der hier geherrscht, die letzte Ehre erwiesen wurde.