Hunderte in Thierhäute gehüllte Krieger von colossalem Gliederbau bewegten sich bei grellen Feuern in wilder Verwirrung um einen hohen, frisch aufgeworfenen Hügel von regelmäßiger Form, an dessen Fuß eine schwarze Oeffnung bestimmt schien, den entseelten Körper aufzunehmen. Einige heulten und wehklagten, Andere tranken aus den Schädeln erlegter Feinde. Seitwärts unter einer uralten Eiche standen Priester von grausem Ansehn, emsig mit blutigen Ceremonieen beschäftigt. Ein lautes, bei gewissen Zeichen, die sie gaben, periodisch wiederkehrendes Schlachtgebrüll übertönte das Schmerzgeschrei der unglücklichen Opfer, die dem Häuptling zu Ehren am rohen Steinaltar geschlachtet wurden.

Mit Abscheu wandte ich den Blick — und allsogleich fiel dichte Nacht, wie ein Vorhang, vor mir herab, und Schlummer deckte meine Augenlieder.

Als ich wieder erwachte, hatte sich die Scene gänzlich geändert. Die wilde Gegend war freundlicher geworden, und mir gegenüber lag auf zierlich aufgeschichtetem Scheiterhaufen der entseelte Körper des römischen Abentheurers Mosca, den die Sage unsrer Chronik, als einst im Alterthum hierher verschlagen, anführt. Wohlgeruch köstlicher Specereien erfüllte die Luft, und anmuthig umher gruppirt standen in malerischen Gewändern die römischen Gefährten, nur hie und da mit einzelnen, schon halb civilisirten, Eingebornen gemischt. Auch hier waren Priester — wo wären sie nicht? Auch hier fielen Opfer, doch nur der Thiere Blut röthete die Erde zu den Füßen bereits vermenschlichter Götter.

Wieder erneuerte sich die Decoration. Wir standen jetzt inmitten jener feudalen, romantischen Zeit, welche die Dichter und Künstler lieben und die Freithümler hassen.

In voller strahlender Rüstung, das treue Schwerdt an seiner Seite, ruhte der kühne Gaugraf im Sarge. Sein Streitroß, schwarz behangen, der Trupp der Reisigen mit schwarzen Fähnlein, die schöne, weinende Burgfrau, von zwei blühenden Knaben begleitet, die wehmüthig zur Mutter auf, stolz zur Menge herabblickten, folgten zu Roß der Bahre. Der Heidenpriester im langen, weißen Gewande, hatte sich in ein braunes, wohlgenährtes Pfäfflein verwandelt, mit dem siegenden Kreuze hoch in der Hand, gemächlich auf einem frommen Esel reitend.

So zog, mit gedämpftem, kriegerischem Klange, der lange Zug an uns vorüber, der hohen Kirche zu, wo bald unter Posaunentönen die Gruft sich schloß über dem stolzen Ritter — für immer.

Hier wars, als spränge, wie ein Prolog zu dem Kommenden, ein Hanswurst über die Scene; denn die neuere Zeit begann. Ich kanns nicht läugnen — es war einer meiner eigenen Ahnen, den ich auf einem prächtigen Paradebett, auf seidnen Kissen vor mir liegen sah. Ein Ritter ist es noch, des heiligen Johannes von Jerusalem sogar; aber das rothe Röcklein, die kurzen weißen Hosen, von unmalerischen Stolpenstiefeln begleitet, erinnern schon mehr an moderne Schneider und Schuster, als an alte Ritter. Zwölf silberne Candelabres erleuchten den Leichnam Tag und Nacht bei verschlossenen Fensterläden, und seltsam genug ist der Ort gewählt, nach altem Brauch. Der Eßsaal nämlich ists, in dem die Leiche ruht.[10]