Ich will aber jetzt zu etwas Praktischerem übergehen:

Rath an Gutsbesitzer.

In unserm Anti-Midas’schen Zeitalter, das alles Gold in Papier verwandelt, bleibt keine lohnendere Speculation mehr übrig, als — wiederum aus Papier Gold zu machen. Dies kann geschehen, entweder durch Schreiben, ein weites Feld, oder durch Anlegung von Papiermühlen.

Beides empfehle ich aus eigner Erfahrung, besonders aber meinen lieben Collegen und Landsleuten, den Gutsbesitzern, das Letztere. Denn ich und Viele derselben wissen wohl, daß seit der glücklichen Epoche des schwer erkämpften allgemeinen Weltfriedens, und der dadurch erlangten respectiven Freiheit, dieser hohen Wohlthat der heiligen Allianz, dennoch sonderbarerweise die Welt immer ärmer werden will, vor allen aber die (freilich für den Staat am wenigsten wichtigen) Grundbesitzer ihre Einnahmen fortwährend in demselben Verhältniß schmelzen sehen, wie auf der andern Seite ihre Abgaben sich vermehren und gleich Unkraut lustig emporwuchern. Nur ein Zweig gutsherrlichen Besitzthums machte davon immer die rühmlichste Ausnahme und entschädigte reichlich — eben jene nie genug zu preisenden Papiermühlen, wahre Retter in der Noth, die uns auch beweisen, welchen eminenten Platz alte und neue Lumpen jederzeit bei uns einzunehmen berufen sind.

Billig aber ist es zugleich, die hohe hierbei obwaltende Weisheit der Regierungen anzuerkennen, denn Weisheit kann gewiß niemals darin bestehen, Veraltetes völlig umzustoßen, um ein junges Neues zu schaffen, sondern nur darin: das Vorhandene klug zum langsamen Vorwärtsschreiten auf demselben Wege zu benutzen; gewissermaßen altbacknes Brod (das man nicht wegwerfen darf) so lange wieder aufzubacken, bis es einen ganz andern Geschmack erhält, und doch immer noch dasselbe bleibt. So lehren es wenigstens unsre geschicktesten Staatsmänner. Es muß also gegründet seyn. — Was aber ist, wenn wir die Sache aufs genauste beleuchten wollen, unter dem jetzt bei uns Vorhandenen wohl die Hauptsache? — Ohne allen Zweifel Papier und Schreiber. — Was ist damit ferner zu erlangen? Nichts dringender, als noch mehr Papier und noch mehr Schreiber. Das Uebrige wird sich dann schon von selbst finden. — Ich glaube, dieses Raisonnement ist eben so einfach als logisch. Wenn also unsre Behörden Rieße auf Rieße häufen, Ströme von Tinte, aber keinen Blutstropfen mehr vergießen; wenn sie wenig handeln, dagegen aber zwanzigmal mehr schreiben, als vonnöthen scheint, so werden sie dadurch nur die Wohlthäter derer, welche dem Zeitgeiste zu folgen verstehen, und unter denen die Papiermüller eine der ersten Stellen einnehmen. Der tiefe Denker ahnet aber noch einen größeren, ja einen mystischen Zweck. Dürfte ich nur eine Ecke des Vorhanges lüften, ich würde sagen: Bedenket, zu welchen unzähligen Dingen Papier zu gebrauchen ist, bedenket, daß aus Dünger die Saat hervorgehet. Doch genug! Sapienti sat!

Laßt uns wieder deutlicher sprechen. Schriebe man auf Pergament, so könnten Unzufriedene noch mit einigem Scheine des Rechts sich beklagen, weil dann in gewisser Hinsicht den Eseln die Hauptrolle zufiele. Auch ist mit dieser harten, ungefügen Haut etwas Rohes und Festes verschwistert, was uns nicht mehr ziemt; eben der tägliche Wechsel, der ungeheure Verbrauch, die Schwäche und Unbeständigkeit des andern Materials, stehen in so herrlichem Einklang mit der Verfeinerung unserer Sitten, mit dem Idealischen unserer Pläne. Jedem Unpartheiischen muß unser Zustand beneidenswerth erscheinen. Wir sind zwar arm, aber wir haben theure Regierungen, und ist nicht das Theuerste immer das Beste, nur das Schlechte wohlfeil? — Wir haben Regierungen, die unaufhörlich, unermüdlich, Tag und Nacht regieren, und ist diese Thätigkeit nicht ein wahrer Segen, im höchsten Grade lobenswerth? Ihr Personal übersteigt, mit musterhafter Vorsicht, die Nothdurft doppelt und dreifach. Wir werden also nie Mangel leiden am Regiertwerden, ein großes Glück für alle Nationen, da keine des Gängelbandes entbehren kann.

So erfreulich ist schon die Gegenwart, aber zu wie viel herrlicheren Hoffnungen berechtigt uns, bei dieser Richtung der Cultur, nicht noch die Zukunft! Ich betrachte einen unsrer Schlagbäume. So stumm er ist, spricht er doch Folianten, und seine Farbe — welche Andeutung! Ueberall „schwarz auf weiß.“ — Ja eine große, eine philosophische Zeit beginnt ihre Knospen zu entfalten. Statt Krieg: Diplomatie; — statt Kanonenschüssen: Dintenklexe; — statt der Jury: Dampfschreiber; — statt einer Constitution: Papier ohne Ende, die erhabenste Erfindung unsres Jahrhunderts. Es fehlt nur noch Eins. Gelingt es einem unsrer Minister noch, aus Acten und Maculatur: Kuchen zu backen, so ist das Ideal erreicht. Die Einbildungskraft schwindelt fast vor den Resultaten, die dem Vaterlande hieraus entsprießen könnten. Das Huhn im Topfe wäre überflügelt. Dann wäre mehr noch als die gewünschte Gleichheit da — schon sehe ich im Geiste einen ewigen Sonntag uns umleuchten, die ganze Nation geadelt, oder geheimerathet, ja selbst das Vaterunser einer Veredlung fähig, indem wir, statt wie jetzt um Brod zu bitten, und dennoch Hunger zu leiden, künftig, mit Zuversicht der Erfüllung, beten könnten: Herr! gieb uns unseren Kuchen täglich. Bis dahin aber, Patrioten, begnügt Euch mit dem Schwarzbrode, was Ihr noch habt, oder auch nicht habt. Im letztern Falle schreibt, oder werdet Papiermacher! Probatum est.